Nach dem Volksentscheid Bayern drückt die Zigarette aus

Wenn es ums Rauchen in Gaststätten geht, halten die Wähler im Freistaat nichts von der Devise "Leben und leben lassen": Mit deutlicher Mehrheit haben sie der CSU-Regierung eine Ohrfeige verpasst.

Ein Kommentar von Annette Ramelsberger

Die Bayern haben Ja gesagt - Ja zu einem absoluten Rauchverbot im Freistaat. Sie haben Ja gesagt zu Argumenten, Nein zu Legenden und Emotionen, die ihnen suggerieren sollten, sie würden mit einem strengeren Rauchverbot auch gleich die eigene Lebensfreude verbieten. Da wurde gemutmaßt, dass das Rauchen bald auch in den eigenen vier Wänden nicht mehr erlaubt sei.

Und mancher argwöhnte, demnächst würde wohl auch der Genuss von Bier und Schweinsbraten untersagt, am Ende gar noch das Skifahren - also so ziemlich alles, was den Menschen Spaß macht. Am Ende wallten die Emotionen hoch, es ging um Bauch gegen Kopf.

Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Wähler für den Kopf und gegen den Bauch entschieden - was umso erstaunlicher ist, weil dieses Sommer-Fußball-Wochenende stark von Gefühlen bestimmt war. Die Menschen schwelgten in Träumen vom WM-Finale und zumindest am Samstag gab es keine Raucher und Nichtraucher mehr, sondern nur noch Fans.

Wer sich nach durchfeierter Nacht am Sonntag in die Wahlkabine schleppte, der musste schon sehr gute Argumente haben. Die gab es auch: Ärzte hatten sich für den Volksentscheid eingesetzt, die Grünen, die SPD und natürlich die kleine ÖDP, die den Volksentscheid erzwungen hatte. Sie verwiesen auf die sinkenden Zahlen von Herzinfarkten, seitdem in Italien das Rauchverbot gilt, und auf das Passivrauchen, an dem jedes Jahr Tausende Nichtraucher sterben.

"Wenn das Volk entscheidet, hat es recht"

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