Klage gegen Polizeieinsatz Einbrecher gesucht, Cannabis-Plantage gefunden

Einbrecher fand die Polizei in dem durchsuchten Haus nicht, aber Cannabispflanzen im Keller.

(Foto: Marcel van Hoorn/AFP)

Weil Nachbarn Einbrecher im Haus einer Frau aus dem oberbayerischen Vohburg vermuten, rufen sie die Polizei. Doch die findet nur 158 Cannabispflanzen im Keller. Die Bewohnerin klagt nun gegen den Einsatz.

Von Ekkehard Müller-Jentsch, Vohburg

War es nur Zufall oder doch willkommener Anlass für eine Hausdurchsuchung? Weil Nachbarn in Vohburg an der Donau (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm) Einbrecher im Nachbarhaus befürchteten, besichtigten Polizisten gegen den Willen der 31-jährigen Bewohnerin das Anwesen und machten eine brisante Entdeckung: Im Keller standen zwar keine Einbrecher, aber fachgerecht angebaute 158 Cannabispflanzen wie in einer Plantage. Am Mittwoch klagte die Betroffene vor dem Verwaltungsgericht München, dass die Polizeibeamten unrechtmäßig in ihr Haus eingedrungen seien.

Der Vorfall hatte dramatisch begonnen: Der fieberkranke zwölfjährige Sohn der Frau hatte, während die Mutter zehn Minuten abwesend war, Angst vor Einbrechern bekommen. Vor Schreck sprang er aus dem Fenster und rannte zu den Nachbarn, die die Polizei riefen. Es rückten gleich zwei Funkwagen und eine Zivilstreife aus Geisenfeld sowie Ingolstadt an, zudem der Dienstgruppenleiter der Inspektion Geisenfeld als Einsatzleiter.

Polizei durchkämmte Haus

Vor Gericht schilderte dieser Polizeihauptkommissar, wie er der Frau fast 15 Minuten lang klar gemacht habe, dass die Beamten in jedem Fall auch gegen ihren erbitterten Widerstand das Haus durchkämmen werden - es könnte sich ein Einbrecher dort verbergen. Der Mutter des Lebensgefährten der Mieterin, Eigentümerin des Hauses, hatte der Beamte schließlich den Eingangsschlüssel aus der Hand genommen. Das zielstrebige Vorgehen begründete er mit einem Einsatz bei diesem Haus in der Nacht zuvor: Es habe handgreiflichen Streit mit Besuchern gegeben, die nicht freiwillig wieder gehen wollten und Nachbarn hatten die Polizei gerufen.

Fragen des Regensburger Strafverteidigers Helmut von Kietzell nach einem anonymen Brief an die Polizei in Ingolstadt konnte er aber nicht beantworten. So las das Gericht diese Zeilen vor: Es ging darum, dass vor dem Haus in Vohburg oft Fremde auftauchten, die arbeitslosen Bewohner einen Mercedes fahren und dass dort offenbar "wieder gedealt" werde.

Strafrechtlich sind die Frau und ihr Freund trotzdem unbeschadet davon gekommen: Die Staatsanwaltschaft hatte die Pflanzen keinem konkreten Besitzer zuordnen können und das Verfahren eingestellt. Das Verwaltungsgericht wird demnächst weitere Zeugen angehören. Wann dann das Urteil verkündet werden soll, ist noch offen.