Kirche und sexueller Missbrauch "Mein Mut ist dahin"

Monika Preis ist Vertrauensperson in der "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern" - und fühlt sich bei ihrer Arbeit von der Kirche eingeschüchtert.

Interview: D. Stawski

Monika Preis lebt im Bistum Regensburg. Die 50-Jährige ist Lehrerin. Vor sieben Jahren trug sie dazu bei, dass ein Geistlicher wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde. Preis engagiert sich in der "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern" und ist Vertrauensperson für Betroffene. Ihr sind noch weitere Vorwürfe bekannt. Die Informationen hält sie aber zurück, weil sie sich von der Kirche eingeschüchtert fühlt. Die Geistlichen, die ihr verdächtig sind, arbeiten ihr zufolge weiterhin in ihren Ämtern. Das Bistum Regensburg teilte auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung mit, dass Daten von Hinweisgebern absolut vertraulich behandelt würden. Dem Ordinariat seien in jüngster Zeit keine Fälle von Unterlassungserklärungen gegen Personen bekannt, die sich ans Bistum wandten.

SZ: Welche Missbrauchsvorwürfe sind Ihnen bekannt?

Monika Preis: Ein Fall wurde mir gleich nach der damaligen Verurteilung des Geistlichen zugetragen. Eine Haushälterin erhob Vorwürfe gegen ihren Pfarrer. Er soll mit ihrem Auto nach Tschechien auf den Straßenstrich gefahren sein und dort Buben aufgesucht haben, außerdem soll er eine Art Ziehsohn gehabt haben, einen 16-jährigen Schüler, der bei ihm Tag und Nacht ein- und ausging. Auch im Schlafzimmer des Pfarrers.

SZ: Was haben Sie mit dieser Information gemacht?

Preis: Ich habe der Haushälterin damals, 2003, empfohlen, sich an den Ombudsmann des Bistums Regensburg zu wenden. Ich habe der Frau Mut gemacht.

SZ: Was passierte dann?

Preis: Die Frau ging zum Bistum, wenige Tage später bekam ich ein Schreiben des Justiziars, dass auch ich mich zu den Missbrauchsvorwürfen äußern solle. Ich habe dann zurückgeschrieben, dass die Haushälterin diejenige sei, mit der der Ombudsmann sprechen müsse, nicht ich. Ich dachte, die Sache geht ihren Weg.

SZ: Ging sie es nicht?

Preis: Nein, denn wenige Tage später bekam ich einen Brief vom Anwalt des verdächtigen Pfarrers. Ich solle eine Unterlassungserklärung unterzeichnen, 1000 Euro Vertragsstrafe plus die Anwaltskosten. Ich solle die Vorwürfe nicht wiederholen. Dabei habe ich sie nie geäußert. Ich war geschockt, dass der Anwalt des Pfarrers überhaupt über meinen Namen und die Adresse verfügte. Ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass das Bistum diese Daten an den Verdächtigen weitergegeben hat. Wirklich heftig.

SZ: Wie haben Sie reagiert?

Preis: Mein Anwalt wollte erfahren, wie meine Adresse an den Pfarrer gelangte. Das Bistum hat dazu keine Auskunft gegeben.

SZ: Was wurde aus dem Fall?

Preis: Die Haushälterin gab eine Unterlassungserklärung ab. Welchen Druck Pfarrer und Anwalt vorher bei ihr gemacht haben, weiß ich nicht. Damit war die Sache vom Tisch. Der Pfarrer ist heute noch tätig.

SZ: Ist das der einzige Fall, von dem Sie wissen?

Preis: Nein, inzwischen kenne ich weitere Vorwürfe. Ein mir bekannter Geistlicher erzählte mir von einem Mädchen, das sich ihm offenbart hat. Das Mädchen lebt mit der Familie in einer kirchlichen Wohnung, der Bruder ist Ministrant. Er hatte vom Pfarrer teure Geschenke bekommen. Als Gegenleistung musste er sich in eindeutigen Posen fotografieren lassen. Gegen den Pfarrer gab es auch schon aus einem anderen Ort Verdächtigungen.