Katholischer Hilfsdienst Lohndumping bei den Maltesern

Weniger als 7,50 Euro pro Stunde verdient ein Teil der Malteser-Mitarbeiter.

(Foto: dapd)

Dem katholischen Malteser Hilfsdienst in Bayern werden Lohndumping und die Verletzung von Arbeits- und Tarifverträgen vorgeworfen. Geringfügig Beschäftigte sollen teilweise nur Stundenlöhne von fünf bis sechs Euro verdienen. Als Grund nennen die Malteser: die Konkurrenz.

Von Matthias Drobinski

Der katholische Malteser Hilfsdienst sieht sich in Bayern mit dem Vorwurf des Lohndumpings und der Verletzung von Tarif- und Arbeitsverträgen konfrontiert. Nach Recherchen des Fernsehmagazins Kontrovers des Bayerischen Rundfunks erhalten dort geringfügig Beschäftigte teilweise Stundenlöhne von lediglich fünf bis sechs Euro; auch Rettungsassistenten verdienten Gehälter, die ein Drittel unter dem Tarif lägen. In mehreren Fällen seien zudem die Arbeitsvertragsrichtlinien des Deutschen Caritasverbandes nicht eingehalten worden.

Als sich die Mitarbeitervertretung des Hilfsdienstes, der bundesweit 22.500 Angestellte und 47.000 ehrenamtliche Helfer hat, dagegen wehrte, wurden zwei Mitglieder wegen angeblichen Arbeitszeitbetrugs fristlos entlassen. Nach deren Auffassung war der Grund jedoch lediglich vorgeschoben. Inzwischen haben sich die Malteser und die entlassenen Mitarbeitervertreter auf Abfindungen geeinigt.

Vor drei Wochen erst hatte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt den sogenannten Dritten Weg im Grundsatz für rechtens erklärt, bei dem im Bereich der Kirchen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gemeinsamen Kommissionen Tarife vereinbaren; Streiks sind verboten. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert, dass dieses Modell Arbeitnehmer benachteilige und die kirchlichen Arbeitgeber immer wieder Vereinbarungen missachteten. Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchen haben wiederholt angekündigt, Missstände abzustellen und notfalls Einrichtungen vom Dritten Weg auszuschließen.

Der bayerische Malteser-Hilfsdienst gab im Gespräch mit Kontrovers zu, dass "in einigen Dienststellen außerhalb des Rettungsdienstes auch ein Stundenlohn von unter 7,50 Euro bezahlt" werde. Grund sei die scharfe Konkurrenz - anderenfalls könnten "Dienste wie der Menüservice nicht aufrecht erhalten werden und müssten geschlossen werden".

Eine Vertreterin des Erzbischöflichen Ordinariats in München betonte, Kardinal Reinhard Marx missbillige "dieses Lohndumping"; er werde "das auf keinen Fall so akzeptieren". Man habe die Malteser um einen Stellungnahme gebeten. Von der Antwort werde abhängen, "ob die Malteser den Dritten Weg mitgehen oder nicht".