Historie Auf hoher See

In Hamburg ist die Überbringung der Botschaft des Sieges über Napoleon nachgestellt worden. Und was hat das jetzt mit Bayern zu tun?

Tausende Laiendarsteller haben kürzlich vor den Augen eines medialen Großaufgebots Napoleons Untergang in der Schlacht bei Waterloo nachgespielt. Genau 200 Jahre ist dieses europäische Großdrama nun her. Am Montag folgte in Hamburg ein bildmächtiges maritimes Reenactment. Das am Hafen gebotene Schauspiel erinnerte an die Überbringung der Depesche des Sieges über Napoleon am 22. Juni 1815. Die Botschaft erreichte den Senat der Hansestadt Hamburg damals mit einem Segelschiff von Antwerpen aus. Obwohl sich dies alles im hohen Norden zugetragen hat, heißt das nicht, das südliche Binnenland Bayern habe nichts damit zu tun gehabt. Das weiß niemand besser als die Regionalgruppe Bayern der deutschen Gesellschaft für Schifffahrts- und Marinegeschichte, die keineswegs nur auf das bayerische Meer (Chiemsee) fixiert, sondern mit allen Wassern der Weltmeere gewaschen ist. Maßgeblich ihr ist es zu verdanken, dass am Montag der Überbringung der Depesche des Sieges über Napoleon gedacht wurde. "Die Abdankung Napoleons hatte erhebliche Bedeutung für Bayern", sagt Fregattenkapitän a. D. Bernd Lehmann: Hätte Napoleon bei Waterloo gesiegt, hätte er die abtrünnigen Bayern vermutlich vor lauter Wut zermalmt. Weil die Geschichte aber anders ging, konnte das Land gemäß dem kurz vorher unterzeichneten Vertrag des Wiener Kongresses zur Kraftregion aufsteigen. Die bayerischen Marinefreunde rund um Bernd Lehmann hatten federführend eine Yacht gemietet, die eine Nachschrift der historischen Waterloo Depesche von Zeebrügge nach Hamburg fuhr. Im Maritime Museum wurde die Depesche schließlich unter Anwesenheit hoher Diplomaten symbol- und wortreich entgegen genommen.