Handel mit Crystal Speed Schmuggelroute nach Bayern soll gekappt werden

Immer mehr Menschen verfallen der Droge Crystal. Die Nebenwirkungen können fatal sein.

(Foto: dpa)

Die Zahl der Abhängigen steigt dramatisch, die Nebenwirkungen können fatal sein: Von Tschechien aus werden immer größere Mengen an Crystal Speed nach Bayern geschmuggelt. Die Prager Regierung will nun den Handel massiv bekämpfen - nach langem Zögern.

Von Klaus Brill, Prag

Ähnlich wie Bayern will nun auch Tschechien durch intensive Kontrollen im Grenzgebiet den Schmuggel von Drogen massiver als bisher bekämpfen. Außerdem plant die liberal-konservative Regierung in Prag die Verschärfung eines Gesetzes, das bewirkt, dass der Besitz kleiner Mengen Rauschgift meist ungeahndet bleibt. Die Operation, die vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nachdrücklich begrüßt wurde, zielt vor allem auf die Modedroge Crystal Speed ab, deren Verbreitung in Deutschland in jüngster Zeit dramatisch zunimmt.

Das Rauschgift enthält das synthetische Stimulans Methylamphetamin und wird deshalb auch Crystal Meth genannt, in Tschechien kennt man es unter dem Namen Pervitin. Die Grundstoffe stammen zum Teil aus Polen und werden in tschechischen Chemieküchen verschmurgelt. Von dort gelangen sie in stetig wachsenden Mengen nach Bayern und Sachsen. Den Konsumenten gibt der hochgefährliche Stoff die Illusion extremer Vitalität, doch löst er zugleich Verfolgungswahn und andere Psychosen aus. Außerdem bewirkt er scheußliche Verunstaltungen im Gesicht.

Nach Erkenntnissen der tschechischen Polizei wird die Droge in jüngster Zeit zunehmend in den Asia-Märkten verkauft, die nach dem Ende des Kommunismus 1989 gleich hinter der Grenze auf tschechischer Seite entstanden. Sie boten früher Gartenzwerge, Einrichtungsgegenstände und allerlei Krimskrams an, seit geraumer Zeit sind sie gähnend leer. Die Händler sind meist Vietnamesen, die sich im Kommunismus in größerer Zahl in Tschechien angesiedelt haben und heute viele Restaurants und Geschäfte betreiben. In den Grenzmärkten soll der Verkauf von Crystal Speed offenbar den Wegfall anderer Erwerbsmöglichkeiten ausgleichen. Dies erklärte jedenfalls der tschechische Ministerpräsident Petr Nečas vorige Woche. Nach seinen Worten spielen Angehörige der vietnamesischen Gemeinschaft neuerdings im Drogenhandel "eine größere Rolle".

Künftig müssen alle Ausländer, die beim Drogenhandel erwischt werden, eine rasche Ausweisung befürchten. Die Regierung in Prag beschloss am vorigen Mittwoch auf einer Kabinettssitzung außerdem die Einsetzung einer Arbeitsgruppe, die die Aktivitäten verschiedener Behörden auf diesem Feld koordinieren soll. Auf Beamtenebene wurden auch schon mehrere deutsch-tschechische Arbeitsgruppen ins Leben gerufen. Experten des Prager Innenministeriums arbeiten auch bereits an einer Novelle der einschlägigen Bestimmungen. "Wir betrachten das als ernste Angelegenheit und wir wollen etwas tun", sagte Ministerpräsident Nečas.

Bisher ist die tschechische Drogengesetzgebung im Vergleich zu anderen Ländern recht lax, nicht von ungefähr gilt Prag in der Drogenszene als "Amsterdam des Ostens" und Tschechien als "psychedelische Großmacht", wie es eine Prager Zeitung formulierte. Zwar sind wie in anderen Ländern der Besitz von Drogen und der Handel grundsätzlich strafbar. Allerdings wird es seit Anfang 2010 nur noch als Ordnungswidrigkeit betrachtet, wenn jemand zur persönlichen Verfügung "eine kleine Menge" mit sich führt.

Wer also beispielsweise bis zu fünf Tabletten LSD, vier Kapseln Ecstasy, einem Gramm Kokain, 1,5 Gramm Heroin, fünf Gramm Haschisch oder 15 Gramm Marihuana dabei hat, braucht keine Angst vor dem Gefängnis zu haben. Und als Ordnungswidrigkeit wird das Delikt selten geahndet, wenngleich darauf theoretisch ein Bußgeld von bis zu 600 Euro steht. Im Fall von Crystal Speed soll jetzt nach Angaben des Innenministeriums die Menge, die noch als Ordnungswidrigkeit durchgeht, von bisher zwei auf ein halbes Gramm herabgesetzt werden.