Gymnasium in Bayern Werben für das Flexi-Jahr

Die Staatsregierung reagiert auf eine Umfrage der SZ: Viele Bayern befürworten eine Wahlmöglichkeit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium. Vor der Landtagswahl will Ministerpräsident Seehofer nun stärker für das Konzept des Flexi-Jahres werben.

Von Mike Szymanski

Regierungschef Horst Seehofer (CSU) will drei Monate vor der Landtagswahl stärker für das Konzept des Flexi-Jahres zur Entschleunigung am achtstufigen Gymnasium werben. Die große Wahlumfrage der Süddeutschen Zeitung hatte ergeben, dass eine große Mehrheit von 71 Prozent der Befragten eine Wahlmöglichkeit zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium in Bayern befürwortet.

Auch die Mehrheit der CSU-Anhänger hat Sympathien dafür. Das Gegenmodell von Kultusminister Ludwig Spaenle, mit einem freiwilligen Zusatzjahr mehr Zeit auf dem Weg zum Abitur zu ermöglichen, kommt offenbar bislang nicht wirklich bei den Bürgern an. Seehofer sagte am Montag: "Mir scheint, dass es hier noch sehr viel Informationsbedarf über diese Möglichkeit gibt. Das zeigt die Umfrage." Die Staatsregierung und die Regierungsparteien würden jetzt stärker dafür werben. "Wir brauchen jetzt nicht inhaltliche Korrekturen, sondern eine saubere Information der Öffentlichkeit, über das, was wir seit etwa einem Jahr beschlossen haben."

Das eindeutige Umfrageergebnis befeuert den Streit im Freistaat über die Zukunft des Gymnasiums. Die Freien Wähler (FW) sammeln bereits Unterschriften, um eine Wahlfreiheit der Schulen zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium per Volksbegehren zu erzwingen. FW-Generalsekretär Michael Piazolo ruft für diesen Mittwoch zum Aktionstag in München auf. Die Parteifreien wollen Hunderte Luftballons über dem Marienplatz aufsteigen lassen und damit auf ihre Unterschriftensammlung aufmerksam machen. "Mit dieser Ballonaktion um 11.55 Uhr wollen wir symbolisch die Botschaft nach ganz Bayern tragen, dass wir es für überfällig halten, das Volk über eine echte Wahlfreiheit zwischen einem neun- und dem achtjährigen Gymnasium abstimmen zu lassen."

Seehofer warnte am Montag vor dem Vorstoß der Freien Wähler. Vor allem kleine Gymnasien auf dem Land würde die Wahlfreiheit überfordern. Sie bedeute "das Ende der Gymnasien im ländlichen Raum", sagte Seehofer. "Das kann im Ernst niemand wollen."