Gegen die roten Zahlen Zehn Millionen für Allgäu Airport

Der Airport Memmingen soll mit zehn Millionen Euro vom Freistaat unterstützt werden.

(Foto: Luftbildverlag Bertram GmbH)

Der Airport Memmingen schreibt rote Zahlen. Jetzt wird der drittgrößte Flughafen Bayerns mit zehn Millionen Euro vom Freistaat unterstützt. Kritiker können die Finanzspritze nicht nachvollziehen.

Von Stefan Mayr

Finanzminister Markus Söder (CSU) hat ein umfangreiches Paket zur Rettung des schwächelnden Allgäu Airport geschnürt. Der Freistaat wird dem Privatflughafen in Memmingen mit einem einmaligen Zehn-Millionen-Euro-Zuschuss unter die Arme greifen. Zusätzlich wird eine Beteiligung der staatlichen Flughafen München GmbH (FMG) geprüft.

Die FMG, deren Gesellschafter der Freistaat Bayern, die Bundesrepublik und die Stadt München sind, soll dem ins Schlingern geratenen Airport als strategischer Partner auch zusätzlichen Flugverkehr bescheren.

2012 machte der Airport 1,1 Millionen Euro Verlust

Der Allgäu Airport ist der drittgrößte Flughafen Bayerns nach München und Nürnberg. Er wird bislang von privaten und kommunalen Gesellschaftern getragen, schreibt aber rote Zahlen. 2012 machte er 1,1 Millionen Euro Verlust und wies 15 Millionen Euro Verbindlichkeiten aus. Die Eigenkapitalquote sank auf 19,5 Prozent. Die Geschäftsführung des Flughafens verkündet zwar in schöner Regelmäßigkeit gut klingende Erfolgsmeldungen, doch der aktuelle Beteiligungsbericht der Stadt Kempten spricht eine andere Sprache. Demnach hat die "Allgäuer Regional- und Investitionsgesellschaft mbH" im Jahr 2012 eine Wertberichtigung ihrer Beteiligung um 50 Prozent vorgenommen.

Grund dieser Maßnahme: "Die Verluste des Airports und die damit verbundenen Verlustzuweisungen." Zudem gebe es "weitere Herausforderungen" wie die Tilgung der hohen Schulden und der geplante Ausbau der Infrastruktur. Hierfür ist laut Beteiligungsbericht "ein erheblicher zusätzlicher Finanzbedarf notwendig". Diesen können oder wollen offensichtlich weder die privaten noch die kommunalen Gesellschafter tragen.

Mies wie Memmingen

Vernichtendes Zeugnis: Kurz vor dem fünften Geburtstag des Memminger Allgäu-Airports bezeichnet ihn die Pilotengewerkschaft Cockpit als unsichersten Flughafen der Republik. Auch von anderer Stelle hagelt es Kritik. Stefan Mayr mehr ...

Deshalb trommelten Allgäuer Politiker zuletzt verstärkt für einen Einstieg des Freistaats in die Betreibergesellschaft. "Der Freistaat sollte das Engagement der Unternehmer fördern", sagte der Memminger CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Holetschek. "Das ist kein regionales Thema, sondern hat Bedeutung für den gesamten Freistaat." Am Montag trafen sich Politiker und Flughafenbetreiber in München mit Finanzminister Markus Söder. Dabei wurde aber schnell klar, dass eine Beteiligung des Freistaats ausgeschlossen ist. Hierfür fehle die überörtliche Bedeutung des Airports, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Deshalb wird nun versucht, den Umweg über die FMG zu gehen. Wie genau das Engagement der Flughafen-Gesellschaft aussehen soll, ist noch unklar. Minister Söder konnte am Montag nur so viel sagen: "Der Freistaat bekennt sich zum Allgäu Airport."

Kritiker des Regionalflughafens können die Unterstützung auf Kosten der Steuerzahler nicht nachvollziehen. "Diese Finanzspritze zögert die Pleite des Flughafens nur hinaus", sagt Dieter Buchberger von der Initiative "Bürger gegen Fluglärm". "Der Airport hat langfristig keine Überlebenschance, das Geld wäre viel besser angelegt, wenn man es in die Erreichbarkeit Münchens für uns Allgäuer investieren würde." Die Frage ist seiner Meinung nach nur, "wann der Freistaat die Reißleine zieht. Bei zehn Millionen oder 50 oder erst bei 100 Millionen?" Auch der Bund Naturschutz kritisiert die Unterstützung. "Das ist nicht mit den Klimaschutzzielen der Staatsregierung vereinbar", sagt BN-Vorsitzender Hubert Weiger.

Der Freistaat ist bereits Mitgesellschafter der Flughäfen in München und Nürnberg. Erst Ende Juli hatten die Stadt Nürnberg und der Freistaat Bayern beschlossen, den mit 115 Millionen Euro hoch verschuldeten Airport Nürnberg mit 70 Millionen Euro zu unterstützen. Jeweils 20 Millionen steuern Stadt und Land als Kapitalerhöhung bei. Die restlichen 30 Millionen werden als Darlehen zugeschossen (20 Millionen vom Freistaat, zehn Millionen von der Stadt Nürnberg).