Wenn sich für die Ferien Freunde oder Verwandte ankündigen, die Bayern "endlich mal ordentlich kennenlernen" wollen, dann braucht es einen Plan. Fünf Touren für fünf Besuchertypen.
Es gibt Urlauber, die kommen nur wegen der Alpen und für einen Schweinsbraten nach Bayern. Das ist nicht besonders einfallsreich, aber durchaus in Ordnung. Es gibt ja noch andere Feriengäste. Jene zum Beispiel, die mit sehr persönlichen Interessen und manchmal gar mit Scheuklappen in den Freistaat einreisen. Unsere Freunde und Verwandten zum Beispiel. Die benötigen programmmäßig dann eine ganz besondere, um nicht zu sagen: individuelle Behandlung. Nun, die können sie gerne haben. Hier ein paar Ideen:
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Nördlingen hat eine komplett erhaltene Stadtmauer und einen Turmwächter. Sein Ruf: "So Gsell, so!" (© picture-alliance / dpa/dpaweb)
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Für die Bissige
Besuchertyp: Nichte Anna-Lena aus Hannover liebt die "Twilight"-Bücher, und ihr ist schnell fad.
Das sagt sie vorher: "Ich will aber nicht nach Österreich."
Die Tour: Bayern ist in Gruselkreisen ja leidlich bekannt: Die Schriftstellerin Mary Shelley ließ Dr. Victor Frankenstein an der Universität Ingolstadt einst sein Monster erfinden, nachzulesen in, genau, "Frankenstein". Die zugehörige Stadtführung durch Ingolstadt ist angeblich dazu angetan, Anna-Lena einen angenehmen Schauer über den Rücken zu jagen. Und in Ansbach, wo wir danach hinfahren, wird das nicht anders. Die Kaspar-Hauser-Ausstellung im Markgrafenmuseum widmet sich einem armen, kleinen Mann, aufgelesen in Nürnberg, erstochen in Ansbach. War er ein Erbprinz? Ein Scharlatan? Vor allem war er der Mittelpunkt einer topspannenden Kriminalgeschichte, die wohl selbst die bayerischen "Tatort"-Ermittler Batic und Leitmayr nicht mehr lösen würden. Nun wird sich Anna-Lena freilich fragen, ob sich Bayern bloß in der Vergangenheit abspielt. Als guter Gastgeber fährt man daraufhin mit ihr nach Rothenburg ob der Tauber und schwärmt bei einem Spaziergang durch Käthe Wohlfahrts Weihnachtswelt ganz fies vom Taubertal-Open-Air, das jedes Jahr im August für zwei Tage den Altersschnitt der Region senkt. (Die Macher haben früher übrigens für die Evangelische Landjugend Windelsbach Beat-Abende organisiert und aus dem Konzertmanagen einen Beruf gemacht.) "Warum sind wir da nicht hin?", fragt die Nichte vorwurfsvoll. Das ist der Moment, in dem wir die Tickets für das Konzert der Vollgas-Trompetenband LaBrassBanda beim 7.Brettl-Festival in Hörbach aus der Tasche ziehen. (Das wird wiederum von den Leuten vom Montagsbrettl organisiert - eine Kleinkunstbühne, die es in dem Ort zwischen Augsburg und München nun schon 35 Jahre gibt). Das Ticket stimmt die Nichte milde, und sie fiebert dem im besten Sinne krönenden Tagesabschluss entgegen, dem Ausflug auf Schloss Neuschwanstein. Dort könnte man nämlich auch mal eine "Twilight"-Folge drehen. Oder vielleicht sogar den neuen "Frankenstein"?
Das sagt sie nachher: "Wenn Mama mir Klamotten schickt, kann ich noch eine Woche bleiben!"
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