Fachoberschule in Schweinfurt Alle Schüler fallen durchs Abi

In Schweinfurt sind alle Schüler einer Fachoberschule durch das Abitur gefallen.

(Foto: dpa)

In Schweinfurt sind alle Schüler des aktuellen Abiturjahrgangs einer privaten Fachoberschule durch das Abitur gefallen. Eltern und Schüler sind verzweifelt. Das Kultusministerium will nun die FOS schulaufsichtlich überprüfen lassen.

Von Olaf Przybilla

Eine lange Liste von Pluspunkten führt die Erste Private Fachoberschule (EPFOS) in Schweinfurt für sich ins Feld. Über High-Speed-Internet verfüge man, auch über multimediale Anlagen. Die Schüler der Privatschule genössen eine individuelle Förderung und kämen in den Genuss motivierter Lehrkräfte, die für "beste Voraussetzungen zum Übertritt" an weiterführende Schulen und Hochschulen sorgen sollen. Insbesondere der letzte Punkt steht nun infrage. Denn in der schriftlichen Prüfung zum Fachabitur sind gerade alle 27 Schüler durchgefallen. Das Kultusministerium will die private FOS jetzt schulaufsichtlich überprüfen lassen.

Erst seit 2011 werden dort Schüler zum Fachabitur hingeführt, die 27 Leidtragenden sind also der erste Jahrgang, der sich in der Privatschule am Abschluss versucht. Zwar stehen die mündlichen Prüfungen noch aus. Die Chancen aber, dass ein größerer Teil der Schüler das Abitur schafft, stehen schlecht. In den Kernfächern, etwa in Mathematik und Wirtschaft, erreichte der Jahrgang eine Durchschnittsnote von weniger als einem Punkt - von möglichen 15 Punkten. Der Verdacht liege nahe, sagt ein Sprecher des Kultusministeriums, dass so ein Ergebnis nicht primär an den Schülern liegen könne. Der Ministerialbeauftragte werde deshalb nun Klausuren und die Abiturvorbereitung prüfen. Als "Ultima Ratio" könnte der Schule - sollten sich etwaige Mängel als schwerwiegend und nicht korrigierbar erweisen - auch der Entzug der Genehmigung drohen.

Die Privatschule ist zwar staatlich genehmigt, nicht aber "staatlich anerkannt", was bedeutet, dass die an der Schweinfurter FOS ausgestellten Zeugnisse nicht dieselben Berechtigungen verleihen wie etwa Zeugnisse an öffentlichen Schulen. Das führt zu Problemen beim Schulwechsel, weil dort grundsätzlich zunächst Aufnahmeprüfungen abzulegen sind. Im konkreten Fall dürften nun aber Schüler, die von der Schweinfurter Privatschule auf eine staatliche Fachoberschule wechseln wollen, auf "kulante Regelungen" hoffen. So jedenfalls will es das Kultusministerium.

Die Mehrzahl der betroffenen Schüler und deren Eltern prüfen derweil juristische Schritte gegen die Schule. Schließlich habe man monatlich 140 Euro für die Hinführung zum Fachabitur gezahlt. Eine Anwältin soll prüfen, ob die Schüler die Schule auf möglichen Schadensersatz verklagen können. Immerhin verliere man voraussichtlich ein Ausbildungsjahr. Die Vorwürfe der Schüler sind vielfältig: Man fühle sich schlecht vorbereitet, sei bei Eintritt in die Schule unzureichend informiert worden, im Lehrplan sei man hinterhergehangen. Der Inhaber und Geschäftsführer der Privatschule war für die SZ für eine Stellungnahme nicht erreichbar.