Dubiose Geschäfte mit Kleiderspenden Aus Alt mach Geld

Gemeinnützig? Eigennützig! Wer denkt, das rote Plus symbolisiere ein rotes Kreuz, der irrt. Das ist ein Container des "Deutschen Textilwerks."

Eine Tonne Altkleider ist bis zu 500 Euro wert. Nicht nur gemeinnützige Organisationen profitieren davon. Das Geschäft mit den Kleiderspenden ruft auch dubiose Firmen auf den Plan, die illegale Container aufstellen. Einblicke in ein schmutziges Geschäft.

Von Robert Gast

Eines Morgens steht der Container am Straßenrand. Ein beigefarbenes Blechmonster mit Einwurfklappe, versehen mit der Bitte, Altkleider zu spenden. Wer hier Hosen, Hemden oder Mützen einwirft, meint das in der Regel als Spende an die Allgemeinheit. Doch was das Blechmonster in der Zollernstraße 46 in Augsburg-Oberhausen schluckt, kommt keinem gemeinnützigen Zwecke zu Gute. Sondern einem Unternehmen, das mit fragwürdigen Methoden Profit macht.

Laut Aufdruck gehört der Container dem "Deutschen Textilwerk". Seit längerem stellt die Firma Sammelbüchsen in Bayern auf, ohne eine Genehmigung der Behörden oder Grundstückseigentümer einzuholen. Im Internet und im Handelsregister sucht man allerdings vergeblich nach ihr. Wer die auf dem Container abgedruckte Service-Hotline anruft, landet auf einem Anrufbeantworter.

Eine Tonne Altkleider für 500 Euro

Altkleider sind eine begehrte Ware. Eine Tonne ist aktuell bis zu 500 Euro wert- vor zehn Jahren waren es gerade mal 150 Euro. Und die Deutschen sind fleißige Spender: Mindestens 750 000 Tonnen Altkleider geben sie im Jahr weg. In der Regel ist die Allgemeinheit an dem Erlös beteiligt. Viele Kommunen haben Verträge mit Recyclingfirmen geschlossen, die Altkleider-Container aufstellen. Die Stellmieten fließen in den Haushalt. Auch karitative Organisationen wie die Malteser oder das Bayerische Rote Kreuz nutzen den Altkleider-Verkauf als Einnahmequelle.

In der Zollernstraße in Augsburg merkten die Anwohner irgendwann, dass niemand für den Container vor ihrem Haus eine Stellmiete erhält. Sie ließen ihn schließlich entfernen. Einfach ist das nicht: Man muss den Besitzer des Containers mehrmals schriftlich bitten, diesen abzuholen. Erst wenn er längere Zeit nicht antwortet, darf der Behälter abgeschleppt werden.

Deutsches Rotes Kreuz warnt vor illegalen Containern

Das Geschäft mit ausrangierter Kleidung boomt. Karitative Einrichtungen wie das Rote Kreuz bemerken jedoch einen deutlichen Spendenrückgang. Auch Einzelhandelsketten wie H&M bieten Rücknahmemöglichkeiten an - und immer mehr illegale Container tauchen auf. mehr...

15 bis 30 Prozent illegale Container

In Augsburg engagierte der Grundstückseigentümer schließlich die Aktion Hoffnung. Sie sammelt selbst Altkleider, und seit zwei Jahren entfernt sie im Großraum Augsburg und München Container, die ohne Genehmigung aufgestellt wurden. 129-mal gehörten sie dem Deutschen Textilwerk, sagt Aktion-Hoffnung-Geschäftsführer Klaus Prestele. Insgesamt haben seine Mitarbeiter etwa 250 Container abgeschleppt. Die meisten warten in einer Lagerhalle darauf, dass ihre Eigentümer sie abholen.

Nicht nur in Bayern sind nicht-genehmigte Container ein Problem. In Stuttgart, Freiburg, Kassel, Leipzig, Aachen und vielen anderen Städten haben Zeitungen über die Machenschaften in der Altkleiderbranche berichtet. Andreas Voget vom Kleidersammler-Dachverband Fairwertung schätzt, dass 15 bis 30 Prozent der Container in Deutschland illegal aufgestellt wurden. Bei den aktuellen Preisen für Altkleider würde so ein zweistelliger Millionenbetrag umgesetzt, ohne dass ein Teil der Erlöse der Gesellschaft zugute kommt.

Schwarze Schafe in ehrlicher Branche

Doch wer steckt dahinter? Brancheninsidern zufolge hatte eine kleine Gruppe von Unternehmern Deutschland unter sich aufgeteilt. Namen will niemand öffentlich nennen - die dubiosen Sammler haben den Ruf, klagefreudig zu sein. Sie gelten als schwarze Schafe in einer ehrlichen Branche. "Es ist legitim, für den eigenen Zweck zu sammeln", sagt Klaus Prestele. Nicht legitim sei aber, die Spender zu täuschen.

Das tun die dubiosen Sammler jedoch: Der rote Schriftzug des Deutschen Textilwerks "Kleider + Schuhe" ist so gestaltet, dass das Pluszeichen an ein rotes Kreuz erinnert. Das Unternehmen bringt laut Prestele zudem manchmal ein Siegel an: "Dieser Container ist genehmigt" - es ist frei erfunden. Voget berichtet darüber hinaus von Sammlern, die Logos karitativer Organisationen kopieren. Weil die illegalen Container lediglich als Ordnungswidrigkeit gelten, kann niemand strafrechtlich gegen die dubiosen Sammler vorgehen.