Domspatzen Besser spät als nie

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.

(Foto: dpa)

Der Regensburger Bischof Vorderholzer räumt ein, dass die Kirche bei der Aufklärung des Skandals bei den Domspatzen versagt hat. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Bischof seinen Weg auch gegen kircheninterne Widerstände weiter geht.

Kommentar von Andreas Glas

Seit exakt drei Jahren ist Rudolf Voderholzer Bischof in Regensburg. Aber angenommen hat er sein Amt erst jetzt, drei Jahre nach seiner Weihe. Jetzt, da Voderholzer das Versagen seines Bistums eingeräumt hat. Das Versagen, die Misshandlungen und den Missbrauch bei den Domspatzen aus eigenem Antrieb aufzuklären.

Natürlich kommt sein Bekenntnis spät, aber eine späte Einsicht ist besser als keine. Zumal vor drei Jahren zwar ein neuer Bischof nach Regensburg kam, das Bistumspersonal aber bis heute aus Anhängern des Vorgängers Gerhard Ludwig Müller besteht. Eines Bischofs, der den Domspatzen-Skandal eine Kampagne nannte, der von Einzelfällen redete und im Verdacht steht, den Skandal über viele Jahre hinweg vertuscht zu haben.

Selbst den lange unantastbaren Georg Ratzinger schont er nicht

Umso erfreulicher ist es, dass sich Bischof Voderholzer nun von Gerhard Ludwig Müller und den Einflüsterern in seinem Bistum zu emanzipieren scheint - und selbst den lange unantastbaren Domkapellmeister Georg Ratzinger nicht schont, der die Prügelexzesse verharmlost und deren Aufklärung als "Irrsinn" bezeichnet hat.

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Wenn Voderholzer von den Opfern spricht, dann spricht er mit Einfühlungsvermögen, das war von Anfang an so, das hat ihn gleich unterschieden von seinem Vorgänger. Und jetzt scheint es, als nähme er auch das Wort "Aufklärung" ernst.

Es wird sich zeigen, ob der Bischof auch gewillt ist, das Leid finanziell anzuerkennen

Für eine Lobeshymne ist es freilich noch zu früh. Weil abzuwarten ist, ob Voderholzer seinen Worten auch Taten folgen lässt. Das wird sich frühestens herausstellen, wenn sich in einer Woche ein Kuratorium aus Bistums- und Opfervertretern trifft, um den weiteren Weg der Aufklärung zu diskutieren. Dann wird sich auch zeigen, ob der Bischof gewillt ist, das Leid der Betroffenen nicht nur verbal, sondern finanziell anzuerkennen.

Für den Augenblick aber darf man sich über Voderholzers barmherzige Worte freuen - und darauf hoffen, dass Regensburg endlich einen Bischof hat, der bereit ist, seinen Weg auch gegen die Widerstände in den eigenen Kirchenmauern zu gehen.

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