In einer kämpferischen Rede schwören Ministerpräsident Beckstein und CSU-Chef Huber die Delegierten auf den Landtagswahlkampf ein - und ernten dafür minutenlangen Applaus.
Grimmig schaut Spitzenkandidat Beckstein drein bei der Präsentation seines Wahlkampfbusses. Wie ein Boxer, der jeden Moment in den Ring treten wird. Und wie ein Boxer hat auch Beckstein einen Kampf vor sich - den um die Gunst der Wähler. Etwa 100 Termine wird er bis zum 28. September allein mit dem Bus absolvieren. Kämpferisch stimmt der Ministerpräsident deshalb auch die Delegierten auf den Landtagswahlkampf ein. Die CSU, eine Kampfgemeinschaft.
Wahlkämpfer unter sich: Huber und Beckstein wollen bei der Landtagswahl für die CSU ein Ergebnis von "50 Prozent plus ein kräftiges X". (© Foto: Reuters)
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Auch wenn Becksteins Rede nicht den rhetorischen Feinschliff einer Kanzlerrede hat - die Delegierten sind begeistert. Fünf Minuten feiern die fast 1000 Anhänger ihren Ministerpräsidenten mit stehenden Ovationen und rhythmischen Beifall.
Eine Aneinanderreihung von Superlativen
Denn Beckstein hat ihnen in seiner 70-minütigen Rede aus der Seele gesprochen, fällt seine Bilanz über die letzten fünf Jahre Regierungsarbeit doch überaus positiv aus. Eine Aneinanderreihung von Superlativen, wie man es von der CSU nicht anders kennt: Von höchsten Beschäftigungszahlen spricht Beckstein, von bester Bildung und größter Sicherheit, dem einzigen Haushalt ohne Neuverschuldung in Deutschland, der Spitzenstellung Bayerns in der Wissenschaft.
Gerne erinnert er in diesem Moment an die Worte der Kanzlerin: "Bayern ist da, wo der Bund hin will", hatte sie am Vortag gelobt. Für Beckstein steht fest, dass bei solchem Lob auch "deutlicher Neid" mitschwinge.
"Aber wir haben diesen Neid hart erarbeitet", sagt er. "Wir können stolz sein auf dieses Land mit seinen großartigen Menschen. Wir können aber auch sagen, wir haben in der Politik die richtigen Weichen gestellt."
"50 Prozent plus ein kräftiges X"
Doch es geht auf diesem Parteitag nicht um die Vergangenheit. Es geht um die Zukunft. Es geht um den 28. September, den Abend der Landtagswahl.
Und nicht nur das Ziel ist klar - allen Umfragen zum Trotz gibt Beckstein das Ziel aus: "50 Prozent plus ein kräftiges X". Gleichzeitig warnt er vor einer Fünfer-Koalition gegen die CSU. Sie berge die Gefahr, dass Bayern ins Mittelmaß abrutsche.
Auch die Themen, mit denen die Partei ihre absolute Mehrheit sichern will, stehen für Beckstein fest: Bildungspolitik, so Beckstein, "ist die Wirtschafts- und Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts." Deshalb müsse man die Hauptschulen stärken, die Klassengrößen verringern und 1000 zusätzlich Lehrer einstellen. "Wir fördern die Schwachen, aber auch die Eliten", sagt Beckstein und betont, wie wichtig es sei, dass ausländische Kinder bereits im Kindergarten Deutsch lernen.
Das widerspreche nicht dem Selbstverständnis der CSU, dass Bayern ein weltoffenes Land bleibe. Dennoch lege er Wert darauf, dass im Land lebende Ausländer die deutsche Leitkultur anerkennen müssten. "Das Grundgesetz geht vor die Scharia."
Ramsauer wirft SPD "Prostitution" mit Linken vor
Kämpferisch geben sich auch Landesgruppenchef Peter Ramsauer und CSU-Chef Erwin Huber. Ramsauers Gegner: die SPD. Ihr wirft er "Prostitution" mit der Linkspartei vor. Die SPD wolle ein rot-rotes Regierungsbündnis im Bund. "Niemand in der SPD kann mehr leugnen, dass mit den Ultra-Linken, den Kommunisten, mit den SED-Nachfolgern sich in ein gemeinsames Bett hineinprostituiert wird."
CSU-Chef Huber gibt die Parole aus: "Wir müssen mit Herzblut, mit Engagement" kämpfen. Denn Regierungsmehrheiten würden nicht vom Himmel fallen. Auch er warnt vor einem Mehrheitsbündnis ohne die CSU. Die Opposition eine nur der Hass auf die CSU. "Wenn wir nicht den Regierungsauftrag bekommen, wird Bayern in wenigen Jahren abgestürzt sein." Die Aufgabe sei, Bayern an der Spitze zu halten.
Denn nur wenn die CSU in Bayern an der Spitze ist, kann sie auch in Berlin mitreden. Das weiß Huber und betont die Eigenständigkeit seiner Partei in der Bundespolitik. "Wir sind eben keine Filiale und kein Ableger einer Berliner Zentrale." An die Adresse der Schwesterpartei sagt er: "Von der CSU lernen, heißt siegen lernen, das werden wir dann gemeinsam 2009."
Das kommt bei den Delegierten gut an. Auch ihm ist ihr minutenlanger Applaus sicher. Huber braucht diesen Zuspruch. Wie Beckstein wird auch er am Ende des Parteitags in seinen Wahlkampfbus steigen und im Land um Stimmen werben.
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(sueddeutsche.de/AP/dpa/buma)
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Die neueste Antwort
begegnet der geneigte Leser in der Berichterstattung über den CSU-Parteitag vom vergangenen Wochenende.
Der Herr Ramsauer will beobachten, dass SPD und Linke sich in ein "ein Bett hineinprostituieren", wobei nicht klar wird, wer anschafft und wer zahlt. Vor allem sollte man den Herrn Ramsauer mal fragen, ob er denn mit dem Prostitutions-Lotterbett - und das scheint bei diesem Metaphern-Unglück wahrscheinlich - den Bayerischen Landtag meint. Und wenn ja, und da sollte man Herrn Alois Glück als Noch-Landtagspräsident fragen, ob er denn seinem CSU-Kollegen Ramsauer einen solchen Vergleich straflos durchgehen läßt, da Herr Glück ja durch diese Metapher - denkt man sie weiter - zum Chef dieses metaphernhaften Bordells mutiert.
Aber bleiben wir bei diesen sicherlich unbeabsichtigten Meisterwerken politischer Wahlkampfrethorik: "Wir sind eben keine Filiale und kein Ableger einer Berliner Zentrale." Und: "Von der CSU lernen, heißt siegen lernen, das werden wir dann gemeinsam 2009."
Wer jetzt meint, die Zustimmung zur Reform der Reform der Pendlerpauschale sei am Wochenende in einem zähen Ringen der Bundeskanzlerin abgetrotzt worden und Herr Huber habe dies mit den oben genannten Zitaten begründet, meint falsch.
Nähme man Herrn Ramsauers Ausgangsmetapher und wendete sie auf das Verhältnis CDU-CSU an - nur mal als möglicher Versuch in diesen an unglücklichen Wahlkampfmetaphern nicht unarmen Zeiten - so scheint es hier eher um untergründige Fetisch- und Dominabeziehungen zwischen den Schwesterparteien zu gehen. Vielleicht deshalb der Lack-, Leder- und Perücken-Auftritt der ehemaligen CSU-Landrätin Pauly.
O tempora, o mores - möchte der sittenstreng-katholische Altbayer raunen, sich die Hände vor die Augen halten und zwischen den Fingern hindurchlinsen, was das Gruselkabinett noch alles durch das unterschätzte Sommerloch schicken mag.
Wir harren der weiteren Unglücks-Rhetorik!