Auch nach dem Rücktritt von Walter Mixa brodelt es im Bistum gewaltig: In einem offenen Brief formulieren 175 Priester und Laien ihre Forderungen - und nehmen kein Blatt vor den Mund.
Am Samstag vor zwei Wochen hat Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs Walter Mixa angenommen. Wenig später übernahm Weihbischof Josef Grünwald als Diözesanadministrator die Geschäfte - mit der Aufgabe, die tief gespaltene Diözese wieder zusammenzuführen.
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Auch nach dem Rücktritt von Walter Mixa kommt das Bistum Augsburg nicht zur Ruhe - hinter den Kulissen brodelt es. (© Foto: dpa)
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Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig: 175 Priester und Laien aus dem Bistum haben Grünwald in einer sogenannten Pfingsterklärung zum konsequenten Neuanfang aufgefordert.
Die Unterzeichner nehmen darin kein Blatt vor den Mund: Sie gehen auf Distanz zu Bischof Mixa, der im Kinderheim Schrobenhausen Kinder verprügelt haben soll. Außerdem kritisieren sie die bisherige Bistumsleitung und fordern dazu auf, strittige Personalentscheidungen aus der Amtszeit von Walter Mixa zu hinterfragen und gegebenenfalls zu revidieren.
"Die Untaten sexueller und anderer Gewalt durch Schwestern und Mitbrüder unserer katholischen Kirche erfahren wir schmerzlich und erschütternd als pastorale Katastrophe", heißt es in dem Schreiben. "Unsere Solidarität gehört zuerst denen, die in der Vergangenheit Opfer eines wie auch immer gearteten Machtmissbrauchs in unserer Kirche geworden sind."
Die Unterzeichner stellen Fragen, die auch für den Vatikan höchst unbequem sind: "Rückblickend fragen wir, wie es dazu kommen konnte, dass Walter Mixa trotz der Warnungen vieler Verantwortungsträger Bischof von Augsburg und zuvor schon Bischof von Eichstätt geworden ist.
Wir fragen auch, welche systemimmanenten Faktoren dazu beigetragen haben, dass er sein Amt in einer Weise wahrnehmen konnte, die nun viele Wunden und eine tiefe Spaltung im Bistum hinterlässt." Die Priester und Laien fordern die Bistumsleitung auf, diese Systemfehler "ehrlich" und unter Beteiligung "externer, unabhängiger Berater" zu analysieren.
Das Schreiben wurde Josef Grünwald am Donnerstag am Rande einer Dekane-Versammlung übergeben. Zu den Unterzeichnern gehören Regionaldekane, Dekane, Universitätsprofessoren, Pastoralreferenten, Priester, Diakone und Laien. Mitinitiator Max Stetter - ein Augsburger Pfarrer im Ruhestand - betont, dass mit der Pfingsterklärung die ausgestreckte Hand des Diözesanadministrators Josef Grünwald angenommen werden soll, um das Bistum wieder zu einen und nach vorne zu bringen. "Wir wollen dem Volk Gottes signalisieren, dass mit dem Neuanfang wirklich ernst gemacht wird."
Neue Personalpolitik
Zum Neuanfang gehört laut Erklärung eine neue Personalpolitik. "Personalentscheidungen aus der Amtszeit von Bischof Dr. Mixa müssen hinterfragt und gegebenenfalls korrigiert werden", fordern die Unterzeichner.
Max Stetter ist sich bewusst, dass die Pfingsterklärung innerhalb der Diözese auch auf Widerspruch stoßen wird. "Aber wir hoffen, dass die Spaltung nicht vertieft wird, sondern dass Pfingsten ein neues Hoffnungszeichen für die Augsburger Kirche bringt."
Die Gläubigen seien durch die Vorkommnisse um Mixa nach wie vor wie gelähmt, nun sollten sie wieder nach vorne schauen können, so Stetter. "Die Leute sind begeistert und sagen, endlich tut sich eine neue Perspektive auf." Der Brief soll im Internet auf www.pfingsterklaerung.de veröffentlicht werden.
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(SZ vom 21.05.2010/bica)
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Die neueste Antwort
werden alle exkomuniziert, dann herrscht wieder Ruhe im Karton, oder?
..aber das bringt mir auch ROT (Zensur von den Foristen) ein...Dabei war meine Frage echt: Weshalb die selektive Auswahl (Mixa), wenn so vieles in der katholischen Kirche im Argen zu liegen scheint (z.B. auch Ettal)? Hat mich nur aus Gründen der Fairness interessiert.
@teddyi - yo, Kritik an der Kritik ist hier nicht gern gesehen. Nur wer mit den Wölfen der ach-so-liberalen Meute heult, darf hier Laut geben.
Ein gewaltiges Brodeln ist besser als ein gewaltiges Machtausüben und gewaltiger Missbrauch - deshalb, lassen wir es ruhig noch eine zeitlang gewaltig brodeln.
Sie haben recht: Ettal wäre auch noch ein Thema...Komisch, darüber hört man nichts mehr.Alles sang-und klanglos bereinigt? Weshalb widmet sich die SZ nicht diesem vor ihrer Haustür liegenden Ort?
Paging