Bischof Mixa Seine Peinlichkeit

Seit den Äußerungen von Bischof Mixa zur Sexualmoral brodelt es im Bistum Augsburg. Die Kritik reißt nicht ab. Nur auf eine prominente Unterstützerin kann Mixa zählen.

Von Stefan Mayr und Monika Maier-Albang

Das jüngste Interview des Augsburger Bischofs Walter Mixa hat ihm - wieder einmal - bundesweite Kritik eingebracht. Und wieder einmal herrscht Aufregung sowohl unter Bayerns Bischöfen als auch unter den Gläubigen im Bistum Augsburg.

Doch es gibt auch Menschen, die Mixa den Rücken stärken. Zum Beispiel Bayerns Justizministerin Beate Merk: "Ich bin dem Bischof sehr dankbar für diese klare Stellungnahme", sagte die stellvertretende CSU-Vorsitzende der Süddeutschen Zeitung, "weil es nach wie vor ein Tabu ist, über sexuellen Missbrauch zu sprechen, und weil uns jede öffentliche Diskussion weiterbringt und den Opfern hilft."

Beate Merk betont, sie sehe in dem Interview "keine unglückliche Formulierung, sondern den Versuch einer Erklärung". Mixa habe "zuallererst sexuellen Missbrauch von Kindern klar und unmissverständlich als abscheuliches Verbrechen bezeichnet". Am Dienstag wurde ein Interview mit Bischof Mixa veröffentlicht, in dem er zu den Gründen von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche befragt wurde.

Er führt ihn auf die Lockerung der Sozialmoral zurück. Wörtlich sagte er: "Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig."

Kritiker bezeichnen diese Äußerung als "bodenlos" oder "historisch absurd". Beate Merk hingegen will "nichts Negatives" sagen. "Selbstverständlich hat die Freizügigkeit dazu beigetragen, die Hemmschwelle zu senken", sagt sie. Andererseits habe Missbrauch durch Geistliche "natürlich auch noch andere Gründe" als die sexuelle Revolution - "aber das war ja nicht die Frage", so Merk.

Im Bistum Augsburg herrscht seit den Äußerungen Mixas zum Kindesmissbrauch Unruhe. Öffentlichkeitsreferent Dirk Hermann Voß beteuerte zwar noch am Donnerstagmittag: "Es besteht kein Anlass, dass Bischof Mixa seine Aussagen nochmals kommentiert." Wenige Stunden später schickte Mixa dann doch eine Stellungnahme ins Land. Darin erklärte er, er habe "nicht im Geringsten behauptet", dass die sexuelle Revolution "die alleinige und vorrangige Ursache für solche Verbrechen" sei.

Das Hin und Her in Mixas Pressestelle ist nur ein Hinweis darauf, wie es brodelt. Die Stimmung im Bistum Augsburg ist angespannt. "Es gibt Befürworter, die jubeln, und es gibt Personen, die haben große Schwierigkeiten", sagt ein hauptamtlicher Angestellter, der anonym bleiben will. Hinter vorgehaltener Hand beschweren sich Mitarbeiter über die Alleingänge und Launen des Bischofs.

Offene Kritik äußert niemand. Ein Mitglied des Augsburger Diözesanrats nennt Mixas Aussagen "bedrückend" und "unüberlegt". Es werde "immer peinlicher", wenn man als ehrenamtliches Mitglied des Diözesanrates auf die neuesten "Fettnäpfchen" Mixas angesprochen werde. "Die Obrigkeit hat nicht begriffen, wie es an der Basis aussieht."

Helmut Mangold, der Vorsitzende des Diözesanrats, bezeichnet die Kritik an Mixa als überzogen. Er berichtet aber auch aus seiner Jugendzeit in den fünfziger Jahren. Damals wurde getuschelt über einen Augsburger Kleriker, der mit "Ministranten rummache". Aufklärung gab es nicht, der Mann wurde nach Rom versetzt. Dieses Problem habe die Kirche bis heute, sagt Mangold: "Die Vergebung steht zu sehr im Vordergrund."

Die anderen bayerischen Bischöfe schweigen. Zum einen, weil sie sich mit dem Thema schwertun: Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte es zugelassen, dass ein pädophiler Priester nur in eine andere Pfarrei versetzt wurde, wo er wieder Kinder belästigte. Andere sprechen in kleinem Kreis davon, dass das Thema "rührselig" aufbereitet werde. Andererseits ist es ungeschriebenes Gesetz, dass bei einem heiklen und wichtigen Thema der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zuerst das Wort ergreift.

Erzbischof Robert Zollitsch aber will sich erst erklären, wenn die deutschen Bischöfe auf ihrer Frühjahrskonferenz Beschlüsse gefasst haben. Nun ist Mixa seinen Kollegen in die Parade gefahren, und wieder einmal wirkt es so, als habe die katholische Kirche nur minderkluges Führungspersonal. "Die werden den Bruder Walter auseinandernehmen", vermutet einer, der die Bischofskonferenz kennt. Er nennt das Interview einen "Fehler".

Der pädophile Priester aus Helmut Mangolds Jugendzeit ist übrigens im Rentenalter wieder nach Augsburg gezogen. Er sei "in Ehren" wiedergekommen, sagt Mangold.

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