BayernLB und Hypo Alpe Adria Ungeheuerlicher Verdacht

Der ehemalige Landesbank-Chef Schmidt bekommt 50.000 Euro Beraterhonorar von der maroden Hypo Alpe Adria - und spricht von "lächerlichen Beträgen".

Von Klaus Ott

Die Bayerische Landesbank (BayernLB) und deren früherer Vorstandschef Werner Schmidt geraten in der Affäre um Milliardenverluste der Landesbank in Österreich immer stärker in Bedrängnis. Bei der Aufklärung der Affäre ist ein Vorgang aufgetaucht, der in der CSU als "ungeheuerlich" bezeichnet wird. Der ehemalige Spitzenbanker Schmidt hat nach seinem Ausscheiden bei der BayernLB einen Beratervertrag bei der österreichischen Finanzgruppe Hypo Alpe Adria erhalten, der zwei Jahre laufen sollte und mit 50.000 Euro im Jahr dotiert war.

Die Hypo Alpe Adria war zuvor noch während Schmidts Amtszeit von der BayernLB unter fragwürdigen Umständen übernommen worden. Der Kauf der Hypo Alpe Adria hat die Landesbank und den Freistaat inzwischen mehrere Milliarden Euro gekostet. Nun ist bis Ende der Woche eine neue Hilfe in Milliardenhöhe notwendig, um eine Pleite der österreichischen Finanzgruppe zu verhindern.

Schmidt war von Mitte 2001 bis März 2008 Vorstandschef der Landesbank. Im Jahr 2007 kaufte die Landesbank auf Betreiben von Schmidt, dem damaligen Finanzminister Kurt Faltlhauser und Bayerns Sparkassenpräsident Siegfried Naser die in Kärnten ansässige Hypo Alpe Adria, die insbesondere auf dem Balkan viele Geschäfte macht. Die Übernahme kostete insgesamt knapp 1,7 Milliarden Euro. Im März 2008 schied Schmidt als Vorstandschef der Landesbank vorzeitig aus, nachdem Risiken in Milliardenhöhe beim Handel mit sogenannten Ramsch-Anleihen aus dem zusammengebrochenen US-Hypothekenmarkt bekannt geworden waren.

Im Mai 2008 erhielt Schmidt von der Hypo Alpe Adria einen mit 50000 Euro im Jahr dotierten Beratervertrag, der zwei Jahre laufen sollte. Das bestätigte Schmidt am Mittwoch der Süddeutschen Zeitung. Schmidt sagte, das Abkommen sei vom damaligen Chef der Hypo Alpe Adria, Tilo Berlin, und einem weiteren Vorstand der österreichischen Finanzgruppe unterzeichnet worden. Er habe die BayernLB nicht über den Beratervertrag informiert. Schmidt: "Das war nicht notwendig, weil ich ja bei der Landesbank zurückgetreten und dort nicht mehr tätig war." In der Kontrollkommission des Landtags für die BayernLB wird das anders gesehen. Kommissionschef Ernst Weidenbusch (CSU) erklärte, der damalige Hypo-Alpe-Adria-Chef Berlin habe keinen Auftrag gehabt, der ihn zu einem solchen Beratervertrag ermächtigt hätte. Berlin habe offenbar auf eigene Faust gehandelt.

Das wäre aus mehreren Gründen pikant. Denn Schmidt und Berlin sind alte Bekannte, sie waren früher zusammen bei der Landesbank Baden-Württemberg tätig. Bei der Übernahme der Hypo Alpe Adria durch die BayernLB arbeiteten sie dann wieder zusammen. Vermögensverwalter Berlin hatte eine Investorengruppe zusammengestellt, die 25 Prozent der Anteile an der Hypo Alpe Adria erwarb und bereits kurz darauf mit einem Gewinn zwischen 100 und 150 Millionen Euro an die Bayerische Landesbank weiterverkaufte. Berlins Investorengruppe konnte laut Landesbank-Unterlagen dieses profitable Geschäfte auch noch mit Krediten der BayernLB finanzieren. Nachdem die Landesbank die Hypo Alpe Adria übernommen hatte, wurde Berlin dort Vorstandschef. Das geschah alles noch in Schmidts Amszeit bei der Landesbank. Nachdem Schmidt bei der BayernLB ausgeschieden war, wurde Berlin später bei der Hypo Alpe Adria ausgewechselt.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt seit einiger Zeit gegen Schmidt. Die Strafverfolger gehen dem Verdacht nach, dass die Landesbank beim Erwerb der Hypo Alpe Adria rund 400 Millionen Euro zu viel gezahlt hat. Schmidt weist den Vorwurf zurück. Zu seinem Beratervertrag mit der Hypo Alpe Adria sagte Schmidt der SZ, "diese Angelegenheit kann nicht zwilichtig sein, weil die Beträge dafür viel zu lächerlich sind". Er habe den Vertrag im Herbst 2008 vorzeitig aufgelöst und nur das Honorar für das erste Jahr ausbezahlt bekommen.