Aufschrei des Landesschülerrats Als "potenzielle Nazis" stigmatisiert

Führt das bayerische Schulsystem zu mehr Rechtsradikalismus? Das hat der Präsident des Lehrerverbands behauptet. Nun kritisiert der Landesschülerrat die Aussage heftig: Klaus Wenzel würde damit "alle, die nicht das Gymnasium besuchen, als potenzielle Neonazis" stigmatisieren.

Von Sarah Ehrmann

Nachdem sich kurz vor Weihnachten bereits das Kultusministerium energisch gegen die Aussagen des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) verwahrt hat, dass es einen Zusammenhang zwischen dem gegliederten Schulsystem und der Zunahme rechtsradikaler Gruppierungen in Bayern gebe, meldet sich nun auch der Landesschülerrat zu Wort.

Er bezeichnet die Aussage von Verbandspräsident Klaus Wenzel als "Populismus", mit dem er "alle, die nicht das Gymnasium besuchen, als potenzielle Neonazis" stigmatisiere. "Das ist eine deutliche Verzerrung der Wirklichkeit."

Wenzel hatte angeführt, mehrere wissenschaftliche Studien belegten, Ausgrenzung erhöhe die Gefahr, dass sich Menschen von der Demokratie abwenden. "Wenn Schule Bildungsverlierer produziert, ist dies nicht nur in hohem Maße kinderfeindlich und unpädagogisch, es ist auch kurzsichtig und gefährlich", hatte er gesagt und auf die Zunahme rechtsradikaler Gruppierungen in Bayern verwiesen.

Die Staatsregierung forderte er auf, vor diesem Zusammenhang nicht länger die Augen zu verschließen. Das Kultusministerium konterte, mit dieser "Entgleisung" habe sich der Verbandspräsident als seriöser Gesprächspartner zu Bildungsfragen ins Abseits gestellt.

Der Landesschülerrat sieht die Mittel- und Förderschüler als Zielscheibe von Wenzels Angriffen: "Durch diese Aussage stellt er uns Mittelschüler in eine Ecke, in der wir uns nicht wiederfinden möchten", sagte Anja Beer, Landesschülersprecherin der Mittelschulen. "Keinesfalls betrachten wir uns als Bildungsverlierer oder von der Gesellschaft ausgegrenzt. Wir haben es satt, immer mit dem Gymnasium verglichen zu werden. Wir möchten auch endlich einmal die Qualität unserer Schulart hervorheben."

Auch die Förderschulen wehren sich gegen die Attacke: "Ich halte am Grundgedanken der Förderschulen fest, um lernschwache Schüler möglichst gut, individuell und gezielt fördern zu können", sagte Förderschulsprecher Swen Heeg.

Aus Sicht des Landesschülerrates schadeten die Aussagen des BLLV-Chefs dem Ansehen der Schulen zu einem Zeitpunkt, an dem "sich die Mittelschulen langsam wieder Anerkennung im öffentlichen Bild erkämpft hatten". Es sei "ein herber Rückschlag", der allen Mittelschülern nicht gerecht werde.