Rolls-Royce-Trainingslager Diskret und immer zuvorkommend

Andy McCann trainiert bei Rolls-Royce Chauffeure.

(Foto: WGO)

Es ist ein Privileg, einen Rolls-Royce zu fahren. Doch eine Kunst ist es, das Luxusmobil angemessen zu bewegen. Deshalb bietet die Nobelmarke Chauffeurtrainings an, bei denen auf jede Kleinigkeit geachtet wird. Mit Autofahren haben aber die wenigsten zu tun.

Erinnert sich noch jemand an den Chauffeur im Episodenfilm "Der gelbe Rolls-Royce" aus dem Jahr 1964? Nein? Dann hat der Mann hinter dem Lenkrad einen perfekten Job gemacht. Zumindest, wenn es nach Andy McCann geht, dem Chauffeurs-Trainer beim britischen Nobelautohersteller. "Früher hieß es, das Lauteste in einem Rolls-Royce ist die Uhr und nicht der Fahrer. Jetzt hört man die Uhren nicht mehr, also sollte die Klimaanlage das Lauteste sein", erklärt der drahtige Endvierziger.

Die Tradition der Chauffeurstrainings geht auf den Firmengründer Henry Royce zurück. Der erkannte bereits 1912, dass sich durch den reglementierten Umgang mit den Autos Pannen und Schäden minimieren ließen. Seit einem Jahr lässt die britische Edelmarke diese Tradition wiederaufleben. Nicht ganz ohne Eigennutz: Denn oftmals reden die Chauffeure ein gewichtiges Wort mit, wenn es um die Anschaffung eines neuen Automobils geht. Viele der Kurse finden in Asien und vor allem in China statt. Die meisten der Schüler sind ehemalige Taxifahrer.

Der Kurs dauert einen Tag. Nur sechs Teilnehmer sind zu dem "White-Gloves-Training" (dt.: Weißes-Handschuh-Training) zugelassen. Nur so kann McCann seinen Schülern die nötige Aufmerksamkeit widmen. Kein Detail bleibt unbeachtet. Für den Lenker der edlen Karosse ist es ein Muss, vor der vereinbarten Zeit am Treffpunkt zu sein. "Wenn der Chauffeur pünktlich ist, ist er schon zu spät. Er sollte drei Minuten früher parat stehen", sagt McCann. Das Aussehen sollte ebenso tadellos sein: makelloser doppelter Windsor-Krawattenknoten, bis zur Mitte des Gürtels. Wer Schuhsohlen aus Gummi trägt, bekommt von McCann direkt eine Belehrung: "Die Schuhsohlen müssen aus dünnem Leder sein. Nur so hat der Fahrer das perfekte Gefühl für Gas und Bremse." Bei Rolls-Royce geht es traditionell um das entspannte Dahingleiten. "Effortless" nennt es McCann.

Es geht auch teurer

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Niemals an der Spirit-of-Ecstasy-Statue vorbei

Die Fahrgäste erwarten bei der Marke eine perfekte Rundum-Betreuung. So folgt das Verladen des Gepäcks einem strengen Ritual. Zunächst werden die Koffer verstaut, dann erst die Tür für den Passagier geöffnet. So ist die Gefahr eines Diebstahls minimiert. "Dazu gehört, dass man den Taschen nie den Rücken zudreht", erläutert Andy McCann eines der wichtigen kleinen Details. Schreitet der Fahrer dann zum Steuer, darf er dies immer nur entlang des Hecks. "Aus Respekt vor der Spirit-of-Ecstasy-Statue, die sich auf der Motorhaube befindet", erklärt der Ausbilder.

Damit ist die Gepäckfürsorge aber noch längst nicht beendet. Taschen und Koffer werden immer getragen. Ganz gleich, ob sie mit Rollen versehen sind oder nicht. Denn nur so ist sichergestellt, dass die Koffer nicht den Wohnungsboden des Passagiers mit Straßendreck verschmutzen, wenn der Fahrer sie in das Haus transportiert und dort abstellt.

Immer einen Regenschirm dabei

Die Reihenfolge des Einsteigens und die Sitzplätze sind ebenfalls genau definiert. Natürlich wird erst der Dame die Tür geöffnet, ehe der Herr den Innenraum betritt. Dieser sitzt immer schräg hinter dem Chauffeur. Auch das Verhalten während der Fahrt unterliegt einem strengen Ritual. Beginnt der Gast nicht innerhalb von einer Minute ein Gespräch, klappt der Fahrer den Rückspiegel nach oben. Damit ist die Privatsphäre des Passagiers gewährleistet. Damit diese nicht durch unnötige Geräusche gestört werden, wird der Blinkerhebel bei Richtungswechseln nur einmal angetippt. Ebenso selbstverständlich ist es, dass sich der Chauffeur über die Wünsche seiner Gäste informiert. Das Lieblingsgetränk ist an Bord vorrätig, die Klimaanlage angenehm temperiert.

Den Schirm nutzt der Chauffeur nicht nur bei Regen - er schützt auch vor unliebsamen Blicken.

(Foto: WGO)

Auch das Aussteigen läuft nach bestimmten Regeln ab. Ein Rolls-Royce-Chauffeur hat selbst bei Sonnenschein immer einen Regenschirm parat. So kann er die Gäste vor unliebsamen Blicken schützen, wenn sie das Fahrzeug verlassen. Die beiden sich gegenläufig öffnenden Türen erledigen den Rest. Wie gut das ausgeklügelte Sichtschutz-Prinzip funktioniert, konnte Andy McCann schon beweisen, als er einen weiblichen Hollywoodstar aus dem Rolls-Royce geleitete, ohne dass den Paparazzi ein Schnappschuss gelang. Den Namen will er aber nicht nennen. Diskretion ist für einen Chauffeur Ehrensache.