Offensive in den USA Deutschlands Diesel-Missionare

Zu gern wollen die großen Autohersteller den Amerikanern Appetit auf Diesel-Motoren machen. Immerhin wird in den USA kaum Diesel gefahren. Wiederholt sind die deutschen Konzerne mit diesem Vorhaben jenseits des Atlantiks gescheitert. Doch dieses Mal soll es klappen.

Von Thomas Fromm

Deutschlands Autokonzerne planen unter Federführung des Branchenverbandes VDA eine neue Diesel-Offensive in den USA. Schon mehrmals hatten sie versucht, den traditionell Diesel-feindlichen Amerikanern ihre Diesel-Autos nahe zu bringen. Dieses Mal soll es klappen - und sollen die Marktanteile ausgebaut werden. Die Aussichten sind verlockend: In Europa liegt der Anteil der Diesel-Pkw heute bei fast 50 Prozent. In den USA bei knapp zwei Prozent. Es ist schwieriges Gebiet für den Diesel. Und die Deutschen wollen es erobern.

Schwieriges Terrain für Dieselfahrer - die amerikanische Tankstelle, hier bei Panamint Springs.

(Foto: Getty Images)

Seit Jahren schon versuchen die deutschen Hersteller, weltweit führend in der Diesel-Technologie, den US-Markt zu erobern. Gleich bei der Automesse Detroit Motor Show in der kommenden Woche soll die große Kampagne gestartet werden. "Ziel der deutschen Hersteller ist es, im Laufe des Jahres ein gemeinsames Diesel-Werbekonzept für die USA auf die Beine zu stellen", kündigte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung an. Dies bedeute nicht, dass Audi, BMW und Daimler dann immer die gleiche Werbung machen würden. "Vielmehr geht es um eine gemeinsame Kommunikation und klare Botschaften zum Thema. So treten wir gemeinsam auf."

Diesel statt Elektro

Vereint für Diesel in den USA - so etwas macht die deutsche Autoindustrie nicht jeden Tag. Was die Manager antreibt: Sie wollen gemeinsam Marktanteile in Zeiten erobern, in denen der europäische Markt kaum noch Wachstum verspricht. Die USA dagegen gelten als lukrativer Markt. Noch 2009 waren 40 Prozent aller Autos dort älter als zehn Jahre. Künftig, so das Fazit einer Studie von Deutsche Bank Research, dürften Absatz und Produktion weiter zulegen.

Es geht aber auch um die Frage, wer von den Ausländern am meisten vom Wachstum in Übersee profitiert - die großen amerikanischen Konzerne General Motors, Ford und Chrysler, die Japaner - oder die Deutschen. Wie die deutschen sind auch die japanischen Unternehmen längst mit eigenen Fabriken vor Ort, werden als einheimische Hersteller wahrgenommen und bauen ihren Marktanteil ständig aus. Es ist ein Wettbewerb der Konzerne. Aber auch der Systeme.

Hybrid vs. Diesel zum Beispiel. Der Anteil von Hybridautos lag zuletzt bei knapp vier Prozent. Hybridautos mit ihrer Mischung aus Verbrennungsmotor und Elektroantrieb rollen vor allem durch die Großstädte der USA. Diesel-Motoren, die sparsamer sind als Benziner, sind für die langen Überlandfahrten auf den US-Highways aber die interessantere Alternative zum Hybrid. Und Hybrid, das ist vor allem die Stärke der Asiaten, allen voran Toyota. Diesel, das sind die Deutschen. So gut wie jedes Diesel-Fahrzeug in den USA trägt einen deutschen Namen. BMW hat den 335d Sedan und den Geländewagen X5 im Rennen; jeder dritte verkaufte X5 in den USA ist ein Diesel. Audi ist mit dem Q7 und dem A3 vor Ort, VW bietet seine Modelle Golf, Jetta, Passat und Touareg mit Diesel-Motoren an. Im Sommer kommt der neue Beetle TDI dazu. Diesel-Pionier Daimler hat unter anderem den S 350 und den E 350 im Angebot.

Der Anteil der verkauften Diesel-Autos des Konzerns steigt jährlich. "Mittelfristig werden wir sukzessive weitere Dieselantriebe in den USA einführen", teilt Daimler mit. Die Analysten der Deutschen Bank sagen einen Anteil von Diesel-Autos in den USA bis zu drei Prozent im Jahr 2015 voraus. "Von einem Anstieg des Marktanteils von Diesel-Pkw würden vor allem deutsche Hersteller profitieren", schreiben sie in ihrer Studie. Dennoch wollen die Deutschen nicht unter sich bleiben. "Wir sind offen, wenn sich auch andere Hersteller - etwa die Amerikaner oder Japaner - an unserer Kampagne beteiligen wollen", sagt Wissmann. "Wir sehen, dass es bei einigen immer wieder Pläne gibt, auch in den USA Diesel-Pkw anzubieten."

Toyota zum Beispiel nimmt das Thema ernst. Die Japaner hatten erst vor wenigen Wochen eine Partnerschaft mit BMW vereinbart. Worum es geht: Von 2014 an sollen 1,6-und 2,0-Liter Dieselmotoren der Bayern an Toyota gehen. Die Japaner wollten so ihre Angebotspalette von verbrauchsärmeren Autos mit geringem Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ausbauen. Im Gegenzug kann BMW mit Toyota bei der Grundlagenforschung für Batterietechnik kooperieren. Ziel: Know-how bei der für Elektroautos wichtigen Lithium-Ionen-Technologie zu gewinnen. Man kooperiert lieber, statt sich zu bekämpfen.

Mit dem Durchbruch hatte es ohnehin etwas gedauert. Als Mercedes bei der Berliner Automobilausstellung 1936 mit dem Modell 260 D den ersten serienreifen Diesel-Pkw präsentierte, war der Erfinder des Selbstzünders schon lange tot. Rudolf Diesel hatte an einem Septemberabend des Jahres 1913 an Bord des Postdampfers Dresden eingecheckt. Er wollte nach England übersetzen. Als er am Abend in seine Kabine ging, sah man ihn zum letzten Mal. Was er kurz zuvor noch erleben durfte, waren die großen Ozeanriesen, die mit seinen Dieselmotoren über die Meere zogen. Das Diesel-Auto aber, das kam erst viel später.

"Mein Motor macht immer noch große Fortschritte", sagte der Ingenieur 1895. Erst wenige Jahre zuvor hatte er seinen massiven, ölverschmierten Motor als Patent angemeldet. Glaubt man den Autobauern heute, dann geht es jetzt erst richtig los. Denn Diesel, das sind nicht nur immer niedrigere Schadstoffwerte. Sie sind meist auch erheblich sparsamer als Benziner. Die Strategen in den Vorstandsetagen wissen: Es wird lange dauern, bis Elektroautos die Reichweite und den Preis haben werden, um es mit Dieselfahrzeugen aufnehmen zu können.