Mazda 323 Wieder auf Erfolgskurs

Für den 626 gibt es nun einen Turbodiesel-Direkteinspritzer

(SZ vom 05.08.1998) Für die einen ist er ein "Meilenstein", der sich einen "Platz in der Geschichte" erobert hat, die anderen sehen ihn als einen ganz normalen Kompaktwagen. Unstrittig ist hingegen, daß die von ihrem Hersteller Mazda in einem Werbefilm so hochgelobte 323-Baureihe inzwischen fest zum deutschen Straßenbild gehört. Als 1977 die ersten Modelle von Japan nach Deutschland verschifft wurden, ahnten die Mazda-Strategen sicherlich noch nicht, daß ihnen mit ihrem Golf-Konkurrenten so eine Art Dauerrenner gelungen war. Denn auch nach mehr als 20 Jahren gehört der 323 in seinen verschiedenen Ausprägungen zu den jedermann vertrauten Autos. Zudem genießt der 323 den Ruf, ein besonders zuverlässiges Gefährt zu sein - steht er doch seit Jahren auf den obereren Plätzen in der ADAC-Pannenstatistik und bekommt auch im TÜV-Report gute Noten.

Für Mazda Deutschland ist der 323 das mit Abstand wichtigste Auto, weil er mehr als die Hälfte der Verkaufszahlen ausmacht. So zuverlässig wie der 323 waren die Verkaufsprognosen der Japaner nicht immer - die Geschäfte gingen in den vergangenen Jahren bei weitem nicht so gut wie erwartet. Aber nun glaubt man bei Mazda, sich wieder in die Erfolgsspur einfädeln zu können - und das vor allem aus drei Gründen: In Deutschland und Europa hat man die Organisation umgekrempelt, es wurden vor allem einheimische Manager, die die jeweiligen Märkte kennen, an die entscheidenden Stellen geholt; die 834 deutschen Mazda-Händler sollen auf mehr Kundenorientierung getrimmt werden; zum anderen meint Mazda, mit dem neuen 323 an die Erfolgsgeschichte der fünf Vorgänger-Generationen anknüpfen zu können.

323 als Garant des Aufstiegs

Und die Zahlen scheinen den Japanern recht zu geben: 36 000 Exemplare der kompakten Baureihe sollen heuer noch deutsche Käufer finden, 18 600 haben sich in der ersten Jahreshälfte den inzwischen "alten" 323 gekauft. Insgesamt will Mazda 90 000 Autos in diesem Jahr in Deutschland verkaufen, bisher wurden die Verkaufszahlen des Vorjahres um 25 Prozent übertroffen. "Der neue 323 ist für uns die Basis für einen weiteren Anstieg", ist sich Klaus Tarlatt, der Geschäftsführer von Mazda Deutschland, sicher.

Ist der neue 323 nun eine Revolution auf Rädern? Bei ersten Fahrten zwischen Untermaxkron und Passenbach erwies sich der neue 323 als ein optisch etwas frischer gewordenes Auto, das aber immer noch keinen Auflauf auf dem Parkplatz des Supermarktes auszulösen vermag. Der 323 wird vorerst in zwei Karosserievarianten angeboten: als Fließheck mit dem Zusatzkürzel F und als Stufenheck mit dem Anhängsel S wie Sedan. Fast drei Viertel der Käufer werden aller Erfahrung nach zum Fließheck greifen, den Mazda auch als Kombilimousine bezeichnet. Wie auch immer - auf jeden Fall ist der F das praktischere Auto, was das Be- und Entladen betrifft. Beiden Karosserievarianten haben die Designer eine Reihe von Verbesserungen mit auf den Weg gegeben: Die Lehne des Beifahrersitzes läßt sich nun in die Horizontale klappen, so daß ein kleiner Tisch entsteht. Die Rückbank kann um 16 Zentimeter nach vorne geschoben werden, was den Stauraum vergrößert, und in die Ablagefächer in den Türen passen nun auch Straßenatlanten.

Drei Motoren, drei Ausstattungen

Drei Motoren sind vorerst lieferbar: ein 1,4-Liter mit 54 kW (75 PS), der allerdings einen ziemlich schlappen Eindruck hinterließ, ein neuer 1,5-Liter mit 66 kW (90 PS) und der bekannte 1,9-Liter mit 85 kW (115 PS). Die Verbrauchswerte betragen 7,3, 7,5 und 8,2 Liter Super im Durchschnitt. Die Motoren lassen sich mit drei Ausstattugsvarianten namens Comfort, Exclusive und Sportive kombinieren. Allen gemeinsam sind Fahrer-, Beifahrer- und Seitenairbags, ABS, Zentralverriegelung und Servolenkung. Die Preisspanne beginnt bei 26 320 Mark für den 323 F 1. 4 Comfort, der 1. 5 Exclusive kostet 29 870 Mark.

Etwas tiefer in die Tasche greifen muß, wer eine Nummer größer ordern will, aber dennoch Wert auf einen sparsamen Motor legt: Mazda hat jetzt den ersten Turbodiesel-Direkteinspritzer - ohne Common-Rail-Technik allerdings - im Programm. Mit 74 kW (100 PS) ist man zwar flott unterwegs und verbraucht dabei laut Herstellerangaben 6,7 Liter im 626 - der Motor wird später auch für den 323 zu haben sein. Noch sind die Konkurrenten aus Wolfsburg und Ingolstadt aber laufruhiger und kultivierter.

Von Otto Fritscher