Elektromobil für körperlich Behinderte Keine Unterstützung seitens der Regierung

Auch die Regierung gibt keine Subventionen, obwohl die Kengurus öko sind. "Niemand wollte mit uns reden", sagt Zoern. Ihr erster Geldgeber, ein ehemaliger Börsenhändler aus New York, ist schließlich ein Nachbar, den Zoern überzeugt. Inzwischen hat er 550.000 Dollar in die Kengurus gesteckt. Immer mehr Investoren kommen hinzu, etwa Steen Rothenberger, Spross des Maschinenbau-Imperiums Rothenberger aus Kelkheim bei Frankfurt. Zoern sei inzwischen ein richtiger Profi im Umgang mit Investoren, sagt Kissaroslaki. "Stacy ist ein sehr liebenswerter Mensch, aber auch sehr hartnäckig."

Mittlerweile hat Zoern rund vier Millionen Dollar eingesammelt - genug, um die Produktion der Kengurus zu starten. 60 Stück will sie in diesem Jahr noch verkaufen. Nächstes Jahr sollen es 1000 werden. Sie sind nur für Fahrten in die nähere Umgebung gedacht, ihr Höchsttempo ist 45 Stundenkilometer. Die Elektromotoren reichen für gut 100 Kilometer Strecke, sie fahren fast geräuschlos und verbrauchen keinen Sprit, man kann sie in die normale Steckdose stecken. Zwischen 19.000 und 21.000 Dollar werden sie kosten, je nach Ausstattung. Die einzige Alternative für Rollstuhlfahrer war bislang, ein normales Auto zu kaufen und es umbauen zu lassen. 80.000 Dollar kostet das, sagt Zoern.

Sorgen über den Verkauf macht sie sich nicht. "Die Nachfrage ist gigantisch", sagt sie. Es gibt schon eine Warteliste, täglich kommen Mails von Interessenten. Der Markt sei riesig, weltweit gibt es 50 Millionen Rollstuhlfahrer. 5000 bis 10.000 Autos pro Jahr will Zoern einmal verkaufen, wenn alles gut läuft. Im noch immer stagnierenden Markt für Elektroautos wäre sie damit einer der größeren Anbieter - wenn auch mit einem Nischenprodukt.

Produktion in Deutschland geplant

Gerade suchen Zoern und Kissaroslaki nach einem Händler in Deutschland, der die Elektrowägelchen auch in Deutschland vertreibt. Und weil es zu teuer ist, die Autos aus Florida nach Europa zu transportieren, wollen die beiden auch in Europa produzieren. In den nächsten 24 Monaten wollen sie einen europäischen Fertigungspartner finden, am liebsten in Deutschland, sagt Kissaroslaki. "Made in Germany" sei eben ein Qualitätssiegel.

Viele Teile der Kengurus kommen aus Deutschland. Die Elektronik liefert die Firma Digalog aus Berlin. Die Elektromotoren baut Heinzmann, ein Mittelständler aus dem Schwarzwald. Weltweit habe er Motorenbauer getestet, vor allem in Asien, erzählt Kissaroslaki. Von den zehn Testmotoren, die er sich pro Anbieter hat schicken lassen, kamen außer bei den Deutschen selten zwei auf die gleiche Leistung. Das aber sei wichtig. "Sonst fährt man im Kreis", sagt er. Schließlich hat der Kenguru zwei Motoren, einen für jeden Hinterreifen.

Inzwischen arbeiten Zoern und Kissaroslaki an einem neuen Modell. Denn Zoerns Traum von mehr Freiheit ist noch nicht erfüllt. Die ersten Kengurus sind für Rollstuhlfahrer, die ihre Arme benutzen können. Das neue Modell soll größer werden, damit auch elektrische Rollstühle Platz haben, und es soll mit einem Joystick gelenkt werden für Menschen mit wenig Kraft. Für das neue Modell, das es von 2015 an geben soll, sammelt Zoern wieder Geld bei Privatinvestoren. "Ich kann es kaum erwarten", sagt sie. "Dann kann ich selbst zu meinem Lieblingsrestaurant fahren, ohne immer eine Bürde für meine Freunde zu sein. Ich kann spontan sein. Es wird mein Leben verändern."