Dieselfahrzeuge in den USA Selbstzünder bleiben eine Randerscheinung

Die USA sind ein schlechtes Pflaster für Dieselfahrzeuge. Selbstzünder sind teuer und unbeliebt. Die deutschen Autobauer wollen das mit viel PR und viel technischem Einsatz ändern. Doch der Erfolg bleibt aus.

Von Joachim Becker

Amerika war schon einmal das Dorado für Diesel-Pkw: Nach der ersten Ölkrise in den 70er Jahren wurden Mercedes-Limousinen fast zu 100 Prozent als Selbstzünder in die USA geliefert. Doch Diskussionen über die krebserregende Wirkung von Rußpartikeln zu Beginn der 80er Jahre verbannten die Selbstzünder von den Einkaufszetteln. 1985 versuchte Mercedes mit dem 300 SDL gegenzuhalten. Der erste Personenwagen mit serienmäßigem Partikelfilter machte allerdings Probleme: Das Rußsieb verstopfte leicht und konnte sich unkontrolliert entzünden. Nach Fahrzeugbränden stürzte der Diesel-Anteil bei Neuzulassungen von sechs Prozent ins Bodenlose.

Seitdem führen Selbstzünder im US-Automarkt ein Schattendasein, obwohl ihre Renaissance mit schöner Regelmäßigkeit beschworen wird. "2008 wird das Jahr des Clean-Diesel-Durchbruchs in den USA", jubelte VDA-Chef Matthias Wissmann damals. Die J. D.-Power-Studie "Global Outlook For Diesel" prognostizierte, dass der Marktanteil von Diesel-Pkw in den USA bis zum Jahr 2015 auf 15 Prozent steigen würde. Doch bisher zeigte die Offensive der deutschen Hersteller nur begrenzte Wirkung. Noch immer dümpelt der Diesel-Marktanteil aller neu zugelassenen Light Vehicles (Pkw und Light Trucks) in den USA bei 2,6 Prozent. Das ist nichts, verglichen mit einem Diesel-Anteil von 55 Prozent in Westeuropa.

Dieselkraftstoff kostet an US-Tankstellen mehr als Benzin, weil er keinen Steuervorteil genießt. Hinzu kommen die hohen Kosten der modernen Selbstzünder: "Dieselmotoren mit Partikelfilter sind in der Herstellung fast doppelt so teuer wie Benziner, mit dem Clean Diesel wird das Missverhältnis noch größer", klagte Larry Burns, der damalige Chef der GM Forschung und Entwicklung, schon 2008. Ein Kostentreiber ist die Chemiefabrik unterm Wagenboden.

Aufwendige Abgasreinigung für Kalifornien notwendig

Kaliforniens Gesetze zur Luftreinhaltung erfordern eine aufwendige Abgasreinigung, die bei uns voraussichtlich erst 2017 Vorschrift wird: Weil sich bei der Selbstzündung mit Luftüberschuss Stickoxide (NOx) bilden, braucht der Clean Diesel ein Vollwaschprogramm für die Abgase inklusive Harnstoff-Katalysator. Durch die ungiftige Wasserlösung (AdBlue) verwandeln sich die Stickoxide in umweltverträglichen Stickstoff und Wasserdampf.

Bisher machen sich die Ölbrenner für die meisten US-Kunden daher nicht bezahlt - obwohl sie rund 25 Prozent weniger Sprit verbrauchen. Doch die Zeit spielt für den Clean Diesel: Bis zum Jahr 2025 müssen Personenwagen in USA mit 93 Gramm pro Kilometer ebenso strenge CO2-Limits erreichen, wie sie in Europa bereits zum Ende dieses Jahrzehnts vorgeschrieben sind. Im Vergleich zu 2010 bedeutet der US-Wert eine Halbierung des Kohlendioxid-Ausstoßes und Kraftstoffverbrauchs. Angesichts der Vorliebe für große Fahrzeuge lassen sich solche Flottengrenzwerte nur mit innovativen und bezahlbaren Spritspartechnologien erreichen.

Noch lassen sich die deutschen Autobauer nicht entmutigen. Zusammen mit dem Zulieferer Bosch haben sie den Internetauftritt www.clearlybetterdiesel.org ins Leben gerufen. Auf der Detroit Motorshow soll die Kampagne breiten Bevölkerungsschichten die Vorteile des sauberen Selbstzünders vermitteln. Schließlich sind die 69.600 Dieselautos, die in den ersten neun Monaten 2012 verkauft wurden, angesichts von 14,5 Millionen Neuwagen eher zu vernachlässigen.