22. Dezember 2012 15:42 Fernlinien-Netz vor Öffnung "Die Bahn wird besser sein"

Gut ausgebildete, hilfsbereite Busfahrer, günstige Strecken - das alles erwartet Kunden von Fernbussen im nächsten Jahr. Trotzdem will die Deutsche Bahn nicht in das Geschäft investieren: 150 bis 300 Millionen Euro pro Jahr sind zu wenig, sagt der Staatskonzern.

Von Daniela Kuhr, Berlin

Sie heißen DeinBus, MeinFernBus oder Deutsche Touring - und sie haben eines gemeinsam: Wenn am 1. Januar 2013 der Markt für Fernbuslinien in Deutschland freigegeben wird, wollen sie allesamt groß in das Geschäft einsteigen und ihr Netz deutlich ausbauen. Auch die Deutsche Post und der Automobilclub ADAC haben bereits angekündigt, dass sie den Aufbau eines gemeinsamen Fernbusnetzes prüfen. Die Liberalisierung sei "eine der wichtigsten verkehrsinfrastrukturellen Zäsuren der vergangenen Jahre", sagte der Vorsitzende der ADAC-Geschäftsführung, Karl Obermair.

Doch es gibt einen Konzern, der die Euphorie überhaupt nicht nachvollziehen kann. Und das ist ausgerechnet der mit rund 14 000 Bussen und 30 Fernbuslinien derzeit größte Busbetreiber: die Deutsche Bahn.

Der Markt sei momentan nicht so attraktiv, um als Vorreiter in einen Ausbau der Aktivitäten zu investieren, sagte Ulrich Homburg, Personenverkehrsvorstand der Bahn. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass der Staatskonzern "jederzeit reaktionsfähig" sei. "Wir haben ein fertiges Konzept für ein Fernbus-Liniennetz in Gesamtdeutschland in der Schublade." Allerdings glaubt er nicht, dass sich in diesem Markt viel Geld verdienen lässt. Während manche erwarten, dass sich Umsätze in Höhe von insgesamt zwei bis drei Milliarden Euro erzielen ließen, geht die Bahn von sehr viel weniger aus. "Wir schätzen das Umsatzpotenzial auf gerade mal 150 bis 300 Millionen Euro im Jahr ", sagte Homburg.

Ob da der Wunsch Vater des Gedankens ist, wird sich noch zeigen müssen. Denn natürlich kann es der Bahn nicht recht sein, wenn in Zukunft womöglich Tausende Menschen lieber in einen Fernbus steigen als in einen ICE der Bahn. Eine Studie des Verkehrsministeriums war zu dem Ergebnis gekommen, dass sich auf einzelnen Strecken bis zu 20 Prozent derjenigen, die sich bislang in den Zug gesetzt hatten, künftig für den Fernbus entscheiden könnten.

"Top ausgebildete, hilfsbereite Busfahrer"

Dennoch glaubt Homburg nicht, dass sich der Ausbau eines Fernbusnetzes lohne. Er erwarte einen "hoch volatilen Markt" mit schwachen Margen. Denn das, womit die neuen Fernbusse am ehesten punkten könnten, sei der Preis. "Was Fahrtzeit und Komfort anbelangt, wird die Bahn in aller Regel besser sein", ist Homburg überzeugt.

Doch eben dieser Preis könnte nach Ansicht von Verbraucherschützern tatsächlich künftig Menschen in den Bus locken. So bietet beispielsweise DeinBus Tickets von Frankfurt nach München bereits ab neun Euro an. Und das, wie das Unternehmen auf seiner Internetseite wirbt, in einem "Palast auf Rädern", mit WC, Klimaanlage und "top ausgebildeten, hilfsbereiten Busfahrern", die auch beim Gepäck helfen würden.

Neben Menschen, die auf das Geld achten müssen, können solche Angebote gerade für ältere Reisende attraktiv sein, die für Hilfe dankbar sind und auch das Umsteigen scheuen, meinen Verbraucherschützer. Sie haben es daher immer begrüßt, dass es künftig endlich auch in Deutschland - so wie es in anderen Ländern längst üblich ist - einen freien Markt für Fernbusse geben wird.

Bislang wurden Fernbuslinien hierzulande nur dann genehmigt, wenn es auf der Strecke nicht bereits eine attraktive Bahnverbindung gab. Diese Schutzklausel zugunsten der Bahn gilt jedoch schon lange nicht mehr als zeitgemäß. Inzwischen geht man davon aus, dass Fernbusse weniger der Schiene als vielmehr den Autos Konkurrenz machen. Wenn sich künftig 50 Menschen in einen Bus setzen, anstatt je zu zweit in 25 Autos, dann würden nicht nur die Straßen deutlich entlastet, sondern auch Klima und Umwelt, meint man im Bundesverkehrsministerium - und hat deshalb die Liberalisierung vorangetrieben. Von Januar an kann daher jedes Busunternehmen relativ problemlos jede beliebige Fernverbindung anbieten.

Zwar gibt es schon vereinzelte Fernbusverbindungen, doch konnten sie nur dank einiger Tricks angeboten werden. Deutsche Touring beispielsweise durfte zwar von Hamburg nach Mannheim fahren, aber nur nachts. Denn nachts gibt es kein gleichwertiges Angebot der Bahn. Künftig können die Unternehmen ihr Netz frei ausbauen. Einzige Bedingung: Die Strecke muss mindestens 50 Kilometer lang sein, die Reisezeit mindestens eine Stunde dauern. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass die Busse dem öffentlich subventionierten Regionalverkehr Konkurrenz machen.