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Verhaltensbiologie:Bleib mir vom Pelz

Brüllen? Winken? Ach was. Männliche Grizzlys kommunizieren über Kratzbäume. So vermeiden Rivalen Kämpfe.

Martin Kotynek

Männliche Grizzlybären reiben sich an Bäumen, um anderen Männchen ihre Anwesenheit zu signalisieren. So vermeiden Rivalen Kämpfe, berichtet Owen Nevin von der britischen Universität von Cumbria.

Grizzlies nutzen ihren Gerucht als Kommunikationsmittel.

(Foto: Foto: AFP)

Der Verhaltensökologe befestigte Digitalkameras mit Bewegungsmeldern rund um vier Bäume in Kanada, an denen sich Grizzlybären schon seit mehreren Generationen kratzen.

Die Tiere verhielten sich dabei stets gleich: Sie stellten sich in die Fußspuren anderer Bären, urinierten, und rieben ihren Rücken danach ausgiebig an dem Baum. Anschließend wandten sie dem Kratzbaum ihren Bauch zu, bissen in die Rinde und zerkratzten sie mit ihren Krallen.

Dabei würden die Bären eine Duftmarkierung hinterlassen, an der Artgenossen erkennen könnten, dass das Tier auf der Suche nach einem Weibchen sei, so der Biologe. So würden sich die Männchen aus dem Weg gehen, um Konfrontationen zu vermeiden. Männchen untersuchten die Kratzbäume ausgiebig nach Spuren, Weibchen ignorierten sie aber völlig.

Owen Nevin widerspricht damit bisher gültigen Hypothesen, warum sich Grizzlys an Bäumen reiben. Sie würden mit dem Verhalten weder Parasiten aus dem Fell vertreiben, noch den Pelz mit Harz imprägnieren, um sich vor Insekten zu schützen. Auch ein Juckreiz spiele für das Kratzen keine Rolle, so Nevin.

© SZ vom 7.9.2007
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