Uran im Trinkwasser Das ignorierte Schwermetall

In Deutschland werden Forderungen laut, einen Uran-Grenzwert zu bestimmen. Entsprechende Limits gibt es auch im Ausland fast nirgendwo.

Von M. Hammer und C. Schrader

Viele Menschen sind zurzeit über Uran im Trinkwasser besorgt. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte am Montag eine Studie veröffentlicht, wonach etwa 150 von 8200 Wasserproben aus vielen Teilen Deutschlands mehr als zehn Mikrogramm Uran pro Liter enthalten.

Frisches Wasser aus dem Hahn ist unter Generalverdacht geraten.

(Foto: Foto: AP)

(Die Studie von Foodwatch finden Sie hier)

Sie übertreffen damit einen vom Umweltbundesamt empfohlenen Richtwert. Uran im Wasser kann Nierenschäden auslösen, seine Radioaktivität ist dagegen weniger gefährlich. Während in Deutschland nun die Forderungen laut werden, den bisherigen Richtwert zu einem verbindlichen Grenzwert zu machen, zeigt ein Blick in andere Länder: Fast nirgends gibt es entsprechende Limits und fast nirgends hat die Öffentlichkeit einen derartigen Überblick über Messwerte wie zurzeit in Deutschland.

Zwar haben die USA einen Grenzwert von 30 Mikrogramm pro Liter erlassen, während Kanada 20 und in Südafrika 70 Mikrogramm pro Liter als Grenze empfehlen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt ein Limit von 15Mikrogramm pro Liter. Deutschen Experten sind aber weder aus Nachbarländern noch aus der europäischen Gemeinschaft Grenzwerte bekannt.

"Da wird wenig gemessen"

In Österreich zum Beispiel gibt es keinen eigenen Richtwert für das Schwermetall im Trinkwasser. Laut Peter Kranner von der Lebensmittelabteilung des Wiener Gesundheitsministeriums orientiert man sich an der Empfehlung der WHO. In nächster Zeit sei auch keine Einführung eines Grenzwertes geplant. "Wir hoffen auf die Europäische Kommission", sagt Kranner. Diese will bis Herbst einen neuen Entwurf für die Trinkwasserrichtlinie erstellen, die auch einen Richtwert für Uran enthalten soll.

Ein Experte des bayerischen Landesamts für Umwelt sagt, dass viele Regionen Europas geologisch als Gebiet mit hoher Uranbelastung in Frage kämen. "Aber da wird wenig gemessen und die Datendichte ist niedrig", so der Experte. Bekannt seien hohe Werte auch aus Italien. Aber aufgrund der geringen Datendichte seien nur "spekulative Aussagen" zu einem Ländervergleich möglich.

Bei der Recherche im Internet tauchen Messungen aus manch exotischen Ländern auf: Im Iran wurden bis zu 10 Mikrogramm, in Indien bis zu 75 Mikrogramm Uran pro Liter gefunden. In Südafrika wird der Richtwert von 70 Mikrogramm teilweise fast um das Fünffache übertroffen. Die höchsten Werte schließlich meldet Kanada, das auch zu den großen Uranexporteuren gehört. Dort haben einzelne private Brunnen Werte von 700 oder sogar 2020 Mikrogramm pro Liter. In Deutschland lag der höchste Wert bei 40 Mikrogramm pro Liter.

Strenge Grenzwerte gefordert

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert angesichts der erhöhten Uran-Werte einen strengen Grenzwert. "Er sollte so niedrig wie möglich sein", sagt Ernährungsreferentin Angelika Michel-Drees.

Als Orientierung solle der Höchstwert für Mineralwässer dienen, die zur Säuglingsnahrung zugelassen sind; sie dürfen maximal zwei Mikrogramm Uran pro Liter Wasser enthalten. Auch der Deutsche Städtetag rief Bund und Länder zu einer raschen Festlegung auf einen verbindlichen Grenzwert auf. Die Versorger warnten hingegen vor Panikmache.

Die von erhöhten Uran-Werten im Trinkwasser betroffenen Gemeinden können die Belastung durch das hochgiftige Schwermetall mit verschiedenen Methoden senken. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt in Augsburg sind spezielle Filteranlagen eine effektive Möglichkeit. "Diese Filteranlagen können den Wert auf ein Mikrogramm Uran pro Liter Wasser runterbringen", sagt LfU-Sprecherin Katharina Stroh. Möglich wäre aber auch, belastetes mit unbelastetem Wasser zu mischen. Auch Neubohrungen seien denkbar.