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Resümee:Gute Inspirationsquelle

Thomas Fehm promoviert derzeit am Helmholtz Zentrum in München über Optoakustik. Vergangenes Jahr knüpfte er in Lindau Kontakt zum Nobelpreisträger Stefan Hell - und wurde von ihm zu einem Experiment eingeladen.

(Foto: privat)

Thomas Fehm promoviert über Optoakustik. In Lindau erhielt er vergangenes viele Impulse - und eine Einladung.

Er würde ja total gerne noch einmal an der Tagung in Lindau teilnehmen. "Ich fürchte aber, es war das erste und letzte Mal", sagt Thomas Fehm, der 2015 dabei war. "Die offizielle Satzung lautet nämlich, dass man nur einmal im Leben teilnehmen darf - außer man gewinnt einen Nobelpreis."

Fehm hat Physik studiert und promoviert am Helmholtz Zentrum in München über Optoakustik. Das ist eine neue Bildgebungsmethode in der Medizin, bei der man mithilfe von Laserlicht und Ultraschallwellen ein dreidimensionales Bild von Körperteilen in Echtzeit erstellen kann. Damit lässt sich nicht nur die Struktur der Gewebe erkennen, sondern auch was darin passiert. So kann zum Beispiel der Sauerstoffgehalt im Blut bestimmt werden. "Optoakustik könnte Ärzten in Zukunft bei der Diagnose enorm helfen, etwa um zu bestimmen, ob hinter einer Veränderung in der Brust ein bösartiger Tumor steckt oder nicht", sagt Fehm.

Die Gespräche in Lindau, die nun schon ein Jahr zurückliegen, haben den jungen Wissenschaftler aber enorm inspiriert. "Mit einem Teilnehmer habe ich sehr intensiv darüber diskutiert, mit welchem Computeralgorithmus man die optoakustischen Bilder am besten rekonstruieren könnte." Als Fehm die Zusage für Lindau bekam, habe er sich riesig gefreut, erzählt er. Und er sei natürlich total gespannt gewesen, auf das, was ihn dort erwarten sollte. "Vor allem die Visionen der Nobelpreisträger interessierten mich. Diese Leute haben Probleme erkannt und Lösungen vorgeschlagen, von denen damals viele glaubten, dass sie unmöglich seien." Wie Stefan Hell, der 2014 gemeinsam mit zwei anderen Forschern den Nobelpreis für Chemie bekam. "Hell hat gezeigt, dass die Auflösung in einer bestimmten Art von Mikroskop nicht durch die Wellenlänge des verwendeten Lichts begrenzt ist, sondern dass man diese durch einen Trick erhöhen kann. Ich wollte ihn unbedingt etwas fragen und einige Ideen mit ihm diskutieren." Auch wollte er wissen, was andere junge Wissenschaftler antreibt und wie sie die Zukunft sehen. "Ich dachte mir, das muss unglaublich stimulierend sein und es regt an, die eigenen Sichtweisen zu hinterfragen."

Seine Erwartungen seien mehr als übertroffen worden. "Es war richtig gut!" Er sei überrascht gewesen, wie "ehrlich und familiär" die Atmosphäre war. "Die Preisträger haben sehr Persönliches aus ihrem Leben erzählt, berichtet, wie steinig der Weg zu ihrem Erfolg war, was für Selbstzweifel sie mitunter hatten und dass sie auch Niederlagen einstecken mussten. Forschung ist zwar spannend und sehr erfüllend, aber manchmal auch ermüdend. Ich fand toll, wie offen die Nobelpreisträger über all das sprachen."

Stefan Hells Konzept könnte man auch auf seine Technik übertragen, überlegte Fehm. "Interessanterweise hatte Hell das ebenfalls schon mal durchdacht und freute sich offenbar, mit jemandem zu diskutieren, der sich mit Optoakustik beschäftigt." Der Nobelpreisträger beantwortete ihm viele Fragen, an denen er sonst wahrscheinlich Monate gearbeitet hätte. "Professor Hell hat mich sogar in sein Labor nach Göttingen eingeladen, um dort ein kleines Experiment durchzuführen."

Das Miteinander unter den jungen Forschern fand er "große Klasse". "Wir haben sehr viel diskutiert - nicht nur über Wissenschaft." Zum Beispiel auch darüber, wie die Energieversorgung der Zukunft aussehen könnte oder wie personalisierte Medizin das Leben verändern könnte. "Es blieb natürlich auch noch genügend Zeit für das eine oder andere Bierchen. Ich kann nur jedem jungen Forscher empfehlen, sich für Lindau zu bewerben."