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Naturschutz:Wo die wilden Tiere wohnen

Als die Regierung von Nordrhein-Westfalen das Projekt nicht mehr weiter finanzieren wollte, gründete Volkmer zusammen mit einem Jäger den ,,Verein zur Erhaltung des Auerwildes''. Mit Spenden bezahlten sie noch fünf Jahre lang die Küken. Irgendwann erkannten sie die Sinnlosigkeit ihres Tuns. ,,Man muss unterscheiden zwischen Arten, die durch die Jagd ausgerottet wurden, und solchen, die ausgestorben sind, weil sich die Umweltbedingungen für sie negativ verändert haben'', sagt Uwe Riecken. Bei ersteren verlaufen vernünftig gesteuerte Wiedereinbürgerungen meist gut.

Ein Beispiel ist der vielerorts ausgewilderte Biber, der sich gut vermehrt, seit er nicht mehr gejagt wird. Und so könnte es auch bei Wisent oder sogar beim Elch sein, vermutet Riecken.

Falken am Kölner Dom

Bei großen Raubtieren wie Luchs, Bär oder Wolf sei das schon schwieriger. Sie stellten viel höhere Ansprüche an ihre Biotope. Die Reviere von Raubtieren sind oft riesig, und es muss stets genug Beute vorhanden sein.

An all das mussten die Biologen denken, als sie im Jahr 2000 begannen, im Harz Luchse auszusetzen. Inzwischen leben dort zwischen 20 und 30 Tiere, für viel mehr ist auch kein Platz. ,,Das Problem ist, dass die Population zu klein ist, um auf Dauer überleben zu können'', sagt Mühlenberg. Um ihr Überleben zu sichern, müsste man die Harzluchse mit denen in Böhmen oder dem Bayerischen Wald vernetzen. Das aber ist wegen des dichten Straßennetzes so gut wie unmöglich. ,,Also muss man immer wieder neue Tiere aussetzen, um die Verluste auszugleichen'', sagt Mühlenberg. Aber ob das sinnvoll ist?

Ein weiteres Projekt hatte mit vergleichbaren Schwierigkeiten zu kämpfen, die aber bewältigt werden konnten. In den siebziger Jahren war der Wanderfalke fast ausgestorben. Umweltgifte wie das heute verbotene DDT machten die Tiere unfruchtbar und ihre Eierschalen brüchig. Nur in Bayern überlebten einige wenige Brutpaare. Im Altmühltal und am Main horsteten sie in Felsen und Steinbrüchen. Damit niemand sie störte, bewachten Tierfreunde die Raubvögel wochenlang rund um die Uhr. Später setzte man Jungfalken in Felswänden aus und fütterte sie so lange, wie auch Wildfalken von ihren Eltern gefüttert werden. Doch viele verhungerten, als sie schließlich selbst jagen sollten; andere wurden von ihrem Feind, dem Uhu, gefressen. Den wiederum schützten andere Vogelfreunde, die Uhus ausgesetzt hatten.

Doch einige Falken überlebten, wurden geschlechtsreif und sorgten für Nachwuchs. Heute brüten wieder etwa 600 Falkenpaare in Deutschland. Sogar am Kölner Dom, wo Claus Doering, Falkenschützer beim Bund, 1984 vier Jungtiere ausgesetzt hat. Er brachte am Nordturm der Kathedrale eine Plattform an und gab den jungen Falken jeden Tag zu fressen. Die Tiere blieben und begannen Tauben zu jagen, die in der Kölner Innenstadt zuhauf vorkommen. Nach drei Jahren brüteten die Falken am Dom. Es waren die ersten Wanderfalken in Nordrhein-Westfalen seit einem Vierteljahrhundert.

Kann der Erfolg bei Wanderfalke oder Biber also Vorbild sein für andere Projekte? ,,In Deutschland wird oft zu wenig Zeit und Geld in Monitoring investiert, also in die Beobachtung der Tiere'', sagt Mühlenberg. Als positive Beispiele nennt er die Wiederansiedlung der Oryx- und Addax-Antilopen in Afrika und Arabien oder des Bartgeiers in den Alpen. Bei diesen Projekten wurde vor, während und vor allem auch nach der Freilassung der Tiere genauestens analysiert, wo, ob und wie sie wieder heimisch werden könnten.