bedeckt München 17°

Mit Kanonen gegen Gewitterwolken:Die Wettermacher

Meteorologen versuchen Hagel zu verhindern und Regen zu erzeugen - in Zukunft wollen sie auch Hurrikane kontrollieren.

Seit der Hurrikan Katrina die Stadt New Orleans ins Verderben und die amerikanische Nation in Selbstzweifel gestürzt hat, findet der Wetterforscher Ross Hoffman keine Ruhe mehr. Mit Anrufen und E-Mails wird der Vizechef der Firma Atmospheric and Environmental Research im 2500 Kilometer entfernten Lexington seit Tagen überschüttet - rund um die Uhr.

Mit Kanon wollen Meteorologen Gewitterwolken zu Leibe rücken.

(Foto: Foto: dpa)

Denn Hoffman gilt als Vorreiter im künftigen Kampf gegen die Wirbelstürme. Er erforscht, wie der Mensch das Wetter beeinflussen und Hurrikane unschädlich machen kann, bevor sie Städte niederwalzen. "Bis wir dazu in der Lage sind, werden zwar noch einige Jahrzehnte vergehen", sagt er.

Doch mögliche Maßnahmen plant Hoffman bereits: In der Theorie seiner Computermodelle kann er simulierte Hurrikane abschwächen und umlenken - weg von Küsten, Inseln und Städten. Per Mausklick kreiert er Tiefdruckgebiete, die Sturmtiefs ansaugen, erzeugt Regen und schaltet ihn ab, weit gehend wie es ihm beliebt.

Kanonen gegen Gewitterwolken

Der Wunsch, das Wetter auf solche Art zu beeinflussen, war selten so verbreitet wie in diesem Sommer - angesichts von Fluten, Dürren und Waldbränden auch in Europa. Doch die praktischen Erfolge sind bislang minimal.

Bereits die Pläne, simplen Regen zu erzeugen, die der französische Meteorologe Bernard Dubos erstmals 1935 mit Hilfe riesiger Dampf-Schornsteine verfolgt hatte, gingen bis heute nicht auf. Ein Team um den belgischen Physiker Leon Brenig lässt zurzeit die Hersteller einer schwarzen Kunststoff-Folie testen, ob sich über dunkel bespannten Küstenstrichen in Spanien genügend Warmluft bilden könnte, um verdunstetes Meerwasser in Wolken zu verwandeln.

Feiertagswetter per Silberjodid

Derweil bemüht man sich weiter nördlich in Europa darum, Güsse und Hagelschlag zu verhindern. Um 1900 wurden dazu Gewitterwolken noch mit Kanonen beschossen. Heute steigen in Bayern und Österreich Flugzeuge auf und blasen Silberjodid in Gewittertürme: viele winzige Kristalle, an denen das Wasser zu kleinen Hagelkörnern gefriert, die fast geschmolzen sind, wenn sie auf dem Boden auftreffen. In Russland wird die Wolkendecke vor Feiertagen auf diese Weise zum Abregnen gebracht. Im chinesischen Guandong soll Silberjodid Dürren verhindern helfen.

Mit der Präzision und dem technischen Aufwand eines Ross Hoffman jedoch arbeitet bislang kein anderer Wettermacher. "Mit Silberjodid hatte die US-Regierung schon in den sechziger Jahren experimentiert. Zerstören aber ließen sich entstehende Sturmsysteme damit nicht", berichtet er. "Und so habe ich begonnen, die weiteren Entstehungs-Faktoren der Hurrikane zu studieren."

Hoffmans Team sammelte Daten und speiste sie in Computerprogramme: Wasser- und Lufttemperaturen, Windbewegungen und -geschwindigkeiten im Entstehungsgebiet historischer Wirbelstürme, die schließlich unter simulierten Realbedingungen über den Bildschirm brausten. Auf Knopfdruck gibt Hoffman heute hier ein wenig Wärme zu, mindert dort den Wasserdampf, und schon ändern sich Stärke oder Richtung - etwa des Taifuns "Iniki", der 1992 die Hawaii-Insel Kauai verwüstet hatte.