Medizin und Paläontologie "Hobbit"-Gen entdeckt

Deutsche Forscher haben einen Gendefekt aufgespürt, der Menschen kaum größer werden lässt als einen Meter. Erklärt dies den Fund einer scheinbar neuen, als "Hobbits" getauften Menschenart, die vor 18.000 Jahren auf der indonesischen Insel Flores gelebt hat?

Ein Forscherteam unter Erlanger Leitung hat einen Gendefekt für Kleinwuchs entdeckt. Betroffene Menschen würden kaum größer als einen Meter, berichtete Anita Rauch, Fachärztin für Humangenetik.

So könnte der "Hobbit" von Flores ausgesehen haben.

(Foto: Grafik: AFT/PeterSchouten/NGS)

Die Forscherin der Universität Erlangen leitet das von der Bundesregierung geförderte internationale Forschungsvorhaben, das seine Entdeckung im Fachjournal Science (online vorab veröffentlicht) vorstellt. Menschen mit diesem seltenen Gendefekt hätten auch ein erhöhtes Diabetes- und Schlaganfallrisiko, berichtete Rauch.

Möglicherweise könne der Gendefekt den Fund einer scheinbar neuen Menschenart in Indonesien erklären. Dieser umgangssprachlich "Hobbit" getaufte Homo flores lebte vor etwa 18.000 Jahren auf der Insel Flores; seine Einstufung als neue Art ist allerdings umstritten.

Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass der Homo flores unter dem entdeckten Gendefekt litt, erklärte Rauch. So seien bei den Überresten der kleinwüchsigen Menschen typische Knochen-Fehlbildungen und Zahnanomalien entdeckt worden.

"Vieles deutet daher darauf hin, dass es sich bei den Hobbits nicht um eine bestimmte menschliche Art handelt, sondern um Menschen mit Genveränderungen, erläuterte Rauch.

Charakteristisch für diese seltene angeborene Kleinwüchsigkeit ist auch, dass die Betroffenen bei normaler Intelligenz im Schnitt nur das Hirnvolumen eines drei Monate alten Säuglings besitzen. Das Forscherteam um Rauch hatte weltweit 25 kleinwüchsige Patienten untersucht. Die neuen Erkenntnisse werden nach Einschätzung der Humangenetikerin für werdende Eltern künftig genauere Diagnosen hinsichtlich eines Kleinwuchsrisikos erlauben.