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Lebenskünstler:Bärchen im Weltall

"Das Experiment zeigt, wie weit wir die Grenzen für Leben stecken können", kommentiert Horneck die Mission der Bärtierchen, an der auch das DLR beteiligt war. "Das ist besonders wichtig, wenn wir uns damit beschäftigen, wo anderswo im Sonnensystem Lebensformen existieren könnten."

Ein Bärtierchen mit Eiern

(Foto: Foto: Andy Reuner)

Allerdings dürfe man aus diesen Versuchen nicht schließen, dass sich Bärtierchen für den Transport von Lebenskeimen zwischen Planeten eignen. "Das halte ich für reine Spekulation", betont die Weltraumbiologin.

Die Belastungen beim Herausschleudern aus der Atmosphäre, etwa durch einen Kometen, oder beim Einschlag auf einen anderen Himmelskörper dürften die Tiere, anders als Bakterien, kaum überleben, vermutet sie.

"Instant-Zellen für Weltraumexperimente"

Auch Schill glaubt nicht daran, das Bärtierchen ungeschützt Langzeitflüge durch den Kosmos ertragen. "Unsere Versuchstiere waren gerade mal zehn Tage im All, und nur zwei Prozent haben die harten Weltraumbedingungen überlebt", sagt er. Keine Chance also, dass die kleinen Bären eine jahrelange Reise zu fremden Planeten überstehen.

Schills Interesse gilt anderen Fragen. Vor allem möchte er ergründen, wie die Bärtierchen es anstellen, Kälte, Vakuum und Strahlung zu trotzen, und welche Gene und Enzyme daran mitwirken, dass sie so problemlos einschrumpeln und wieder auferstehen.

"Das wäre nützlich zu wissen, wenn man beispielsweise für die Krebsforschung Gewebeproben so einfrieren will, dass dabei die Lebensfähigkeit der Zellen erhalten bleibt", erläutert Schill. Auch die Tiefkühllagerung von Eizellen oder Spermien ließe sich verbessern, hofft er.

Biologische Experimente im All, etwa auf der Weltraumstation ISS, könnten ebenfalls von den Überlebenskünsten der Bärtierchen profitieren. Bisher müssen für solche Arbeiten Zellkulturen mitgeführt werden, die aufwändig zu pflegen sind, auch wenn kein Experiment läuft.

"Künftig könnten Wissenschaftler eine Dose getrockneter Bärtierchen mitnehmen. Bei Bedarf wird dann einfach Wasser hinzugefügt, und fertig sind die Zellen für alle möglichen Versuche", schlägt Schill vor. "Man hätte damit sozusagen Instant-Zellen für Weltraumexperimente."