Gefährliches Quecksilber in Energiesparlampen Brisante Birne

Das Umweltbundesamt warnt vor gefährlichem Quecksilber in Energiesparlampen. Die Verbraucherzentrale klagt: "Der Staat hat bei der Produktsicherheit offenbar geschlafen."

Von Christopher Schrader

Wenn Energiesparlampen zerbrechen, können gefährliche Quecksilberdämpfe entstehen, hat das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau am Donnerstag gewarnt. Noch fünf Stunden später könne über den Scherben viel von dem Schwermetall in der Luft hängen. Bei einer Stichprobe mit zwei handelsüblichen Modellen war der Richtwert um das 20-fache überschritten, ab dem das UBA das sofortige Beseitigen der Ursache empfiehlt. Kinder und Schwangere sowie Haustiere sollten sich daher von zerbrochenen Energiesparlampen fernhalten. "Wir haben Konzentrationen in der Luft gefunden, mit denen wir nicht zufrieden sein können", sagt die zuständige UBA-Mitarbeiterin Christiane Markard. "Aber wir haben in einer Stichprobe auch nur den schlimmsten Fall untersucht, dass die Splitter liegen bleiben."

Gefährliche Quecksilberdämpfe: Wenn Energiesparlampen zerbrechen, sollte man sofort gut lüften.

(Foto: dpa)

Bis Ende Januar sollen jetzt weitere Tests erfolgen, in denen das Amt andere Modelle zerbrechen lässt und vor allem prüft, was beim Aufräumen der Scherben passiert. Auf seiner Webseite empfiehlt das UBA, zuerst den Raum 15 Minuten lang kräftig zu lüften und ihn so lange zu verlassen. Dann sollen die Splitter mit einem Stück Karton zusammengeschoben und mit Handschuhen in ein verschließbares Glas gelegt werden, das später entsorgt wird. Dann seien "keine Gesundheitsschäden zu erwarten".

Verbraucherschützer fordern wegen der Warnung des UBA ein Aussetzen des EU-Verbots für herkömmliche Glühbirnen, von denen nur noch Modelle bis 60Watt verkauft werden. "Der Staat hat bei der Produktsicherheit (der Energiesparlampen, d. Red) offenbar geschlafen", klagte der Vorstand des Bundesverband der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. Der Hersteller von Energiesparlampen Megaman forderte unterdessen, in allen Lampen flüssige durch feste Quecksilber-Verbindungen zu ersetzen. Ob das einen Vorteil bietet, wenn eingeschaltete Lampen zerbrechen, ist jedoch ungeklärt: Das Quecksilber wird in beiden Fällen zu einem Gas erhitzt.

"Die richtige und notwendige Energieeinsparung von bis zu 80 Prozent gegenüber Glühbirnen muss einhergehen mit sicheren Produkten", sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Er forderte die Industrie auf, mehr Energiesparlampen anzubieten, die dank einer Kunststoff-Ummantelung vor dem Zerbrechen geschützt sind. Den Verbrauchern riet er, für Kinderzimmer solche Produkte zu kaufen oder andere sparsame Lampen etwa mit LED- oder Halogentechnik einzusetzen.