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Fischerei:Profit durch Verzicht

Doch der Erfolg blieb aus. Im Gegenteil, es entwickelte sich sogar ein Kreislauf der Zerstörung. Einerseits wurden die Regeln und Vorschriften immer strenger. Schiffe, Ausrüstung, Fangzeiten wurden beschränkt. Die Verteilungskämpfe unter den Fischern wurden immer brutaler, ebenso ihr Feldzug gegen die Behörden, die ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen schienen.

Wenn diese die jährliche Fangsaison weiter verkürzten, vergrößerten die Fischer im Gegenzug ihre Flotten und setzten noch stärkere und größere Maschinen ein. Reduzierte eine Regierung die Netzgröße, kauften die Fischer einfach eine teurere Ausrüstung wie Sonargeräte, um die Fische aufzuspüren. Jede weitere Kürzung wurde mit mehr Netzen, Leinen und hoch technisierten Geräten beantwortet.

Ökonomen nennen dieses Verhalten Überkapitalisierung. Die Kosten für die Fischer steigen bei gleichem oder gar sinkendem Ertrag, doch der Druck auf die Fischbestände bleibt bestehen. Und die Fischerei wird gefährlich, weil die Fischer in der Fangzeit selbst bei schlimmster See hinausfahren. "In einer Allmende", heißt es in der Studie von Environmental Defense, "in der die Anteile am Fang nicht festgelegt sind, ist das wirtschaftliche Überleben jedes Fischers von seiner Fähigkeit abhängig, so viel wie möglich zu fangen, wann immer er die Gelegenheit dazu hat."

30 Prozent weniger Einkommen, 35 Prozent mehr Gefahr

Schließlich wurde bei manchen Fischarten, zum Beispiel dem Alaska-Heilbutt, die jährliche Fangsaison auf 48 Stunden beschränkt. Also fischten Fischer Tag und Nacht, um ihren Fang in der verbliebenen Zeit zu maximieren. Die Unfälle häufen sich, und immer mehr Beifang - Meerestiere, die gar nicht gefangen werden sollen - wird ins Meer zurückgekippt, meist tot.

"Der augenblickliche Zustand der amerikanischen Fischgründe", steht in dem Bericht von Environmental Defense, "ist nicht mehr tragbar. 54 Arten gelten bereits als überfischt, 45 Arten sind auf dem besten Weg dorthin, und der Zustand von mehr als der Hälfte des nationalen Gesamtbestandes ist ungewiss.

Fischer verdienen inzwischen im Durchschnitt 30 Prozent weniger als gewöhnliche Arbeiter, ihre Arbeit ist jedoch um 35 Prozent gefährlicher." In Europa ist die Lage nicht viel besser.

Und die Nachfrage wächst und wächst. Fisch ist eine wichtige Eiweißquelle. Für die wachsende Bevölkerung in der Dritten Welt genauso wie für die gesundheitsbewussten Verbraucher der reichen Industrienationen. Bis 2015 wird der Bedarf weltweit auf 179 Millionen Tonnen im Jahr anwachsen. 1950 waren es noch 19,3 Millionen Tonnen.

Eine Antwort auf das Dilemma der Allmende liegt für liberale Ökonomen in der individuellen Privatisierung. Dann, so glauben sie, würde Adam Smiths Gesetz des freien Marktes für die begrenzten Ressourcen wieder funktionieren - auch in der Fischerei.

Denn Eigentümer haben starkes Interesse daran, ihre Ressourcen nicht zu zerstören, sondern trotz Nutzung zu erhalten. Kritiker sagen, die Eigentümer könnten nicht unbedingt daran interessiert sein, ihre Ressourcen an jene zu verteilen, die sie zwar brauchen, aber nicht den geforderten Preis zahlen können.

Andere Ökonomen wollen die Regierungen, wie schon jetzt bei Naturschutzgebieten, zu Hütern der Allmende bestimmen. Nur müssten diese Hüter dann auch stark genug sein, das Gemeingut effektiv zu überwachen - was bei schwachen Staaten und korrupten Behörden nicht garantiert ist.

Die Weisheit der Alten

Eine dritte Möglichkeit sind die Weisheiten der Alten: Formen der alten Allmende - wie Palaus kapu-System. Denn die commons waren weder im mittelalterlichen Europa noch anderswo so frei, wie Hardin in seinem theoretischen Beispiel unterstellt.

So legte das Property and Environment Research Center (PERC) in Montana eine Untersuchung vor, laut der die traditionellen indianischen Besitzrechte des amerikanischen Nordwestens die Lachsgründe weit besser regulierten als die weißen Eroberer, die die Fischgründe frei zugänglich für alle machten.

Diese Strukturen waren weit entfernt von der "romantischen Vorstellung", so das PERC, dass Amerikas Ureinwohner keinen Bezug zu materiellem Besitz und Eigentumsrechten gehabt hätten. "Klans und Individuen, die Exklusivrechte auf bestimmte Fischgründe besaßen, hatten einen Anreiz, Zeit und Mittel zu investieren, um die Gründe so produktiv wie möglich zu machen."

Auch die Umweltorganisation Environmental Defense kommt in ihrer Studie zu dem Schluss, dass sich die Zuteilung von Fangquoten an die einzelnen Fischer als der beste Weg erwiesen hat, den Bestand langfristig zu sichern. Die Fischer können sicher sein, dass sie einen festgelegten Anteil am Fang haben werden. Wird ihr Verband gut gemanagt, steigen auch ihre Anteile.

Da niemand mehr als seinen Anteil nutzen darf, wird nicht überfischt. Es profitieren alle: Fischer, Fische, letztlich auch die Fischkonsumenten. Hardin wusste das. Aber die Alten von Palau wussten es schon viel früher.