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Evolution:Der Homo erectus und sein Nachbar

Fossilienfunde in Kenia schüren Zweifel an bisherigen Theorien zur linearen Entwicklung des Menschen: Der Homo erectus lebte offenbar nicht nach, sondern direkt nebem dem Homo habilis.

Britische Forscher haben Hinweise darauf gefunden, dass sich der Urmensch Homo erectus nicht wie vermutet aus dem Homo habilis entwickelt hat, sondern dass die beiden frühen Vertreter der menschlichen Linie hunderttausende Jahre lang gleichzeitig gelebt haben.

Der Schädel des Homo erectus (oben) ist deutlich kleiner als der des Homo habilis

(Foto: Foto: Reuters)

Fred Spoor und seine Kollegen vom University College in London hätten festgestellt, dass beide Arten in Ostafrika vielleicht eine halbe Million Jahre nebeneinander gelebt hätten, bericht die britische Wissenschaftszeitschrift Nature am Donnerstag. Dies hätten sie bei der Untersuchung des Kieferstückes von einem Homo habilis und des Schädels eines Homo erectus herausgefunden.

Während der Oberkiefer rund 1,4 Millionen Jahre alt sei, sei der bemerkenswert gut erhaltene Schädel etwa 1,5 Millionen Jahre alt und damit nicht etwa jünger, sondern älter, hieß es in dem Bericht.

Dies mache die bisherige Annahme "unwahrscheinlich", wonach sich Homo erectus aus Homo habilis entwickelte. Vermutlich hätten beide Urmenschen-Arten sich vor zwei bis drei Millionen Jahren aus einem gemeinsamen Vorfahren entwickelt. Die Funde werfen somit Zweifel an der Annahme von einer linearen Entwicklung der menschlichen Gattung auf.

Die zwei Menschenarten lebten nach Ansicht der Wissenschaftler ähnlich nebeneinander wie heutige Schimpansen und Gorillas. Um eine halbe Million Jahre in der gleichen Region existieren zu können, mussten Homo erectus und Homo habilis Konkurrenz vermeiden und ihre eigenen Nischen finden. Vermutlich entwickelten sie unterschiedliche Ernährungs- und Lebensgewohnheiten.

Die Fundstelle beider Fossilien liegt laut Nature am Turkana-See in Kenia. Homo habilis - auf deutsch: "geschickter Mensch" - gilt als erster Vertreter der menschlichen Linie, weil er Werkzeuge herstellen konnte.