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Ethik:Im Namen der Kreatur

Rhesusaffen wie dieser auf einem Zaun in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi sind Primaten, mit denen Wissenschaftler häufig experimentieren.

(Foto: Sajjas Hussain/AFP)

Eine Bürgerinitiative möchte Tierversuche stoppen. Wissenschaftler versuchen, nicht nur die Freiheit der Forschung zu wahren, sondern auch die Chance, Infektionen zu heilen. Am Montag muss Brüssel entscheiden.

Vivisektion also. Man hätte " Tierversuche" sagen können. Oder "animal research". Aber "Schnitt ins Lebendige", das weckt eben ganz andere Assoziationen als das Vokabular der Wissenschaft. Der Name der Europäischen Bürgerinitiative "Stop Vivisection" gibt recht deutlich vor, worum es an diesem Montag vor der EU-Kommission in Brüssel gehen soll. Nach zwei Jahren, in denen sie fast 1,2 Millionen Unterschriften gesammelt haben, stellen die Initiatoren des Begehrens ihre Argumente gegen die geltende Europäische Richtlinie für Experimente an Tieren vor. Ihre Forderungen nach einem Ausstieg aus Tierversuchen in Europa wirken weltfremd, aber es ist mit Sicherheit kein nebensächlicher Termin. Immerhin haben sich in der vergangenen Woche 16 Nobelpreisträger aus den Bereichen Medizin und Biochemie in einem offenen Brief gegen die Bürgerinitiative gestellt. Sie betonen aufs Neue, wie bedeutsam Tierversuche für die Menschheit seien - zumindest heute noch. "Es ist nicht unser Wunsch, den Einsatz von Tieren in der Forschung auf unbestimmte Zeit fortzusetzen", schreiben die Laureaten, darunter die Deutschen Erwin Neher, Christiane Nüsslein-Volhard und Bert Sakmann. Die Wissenschaft müsse nach Alternativen suchen. "Aber noch ist es nicht so weit." Der prominente Protest gegen den Protest zeigt, dass hier mehr zu leisten ist, als den Einfluss einer radikalen Gruppe von Aktivisten zurückzudrängen. Es geht dabei um Tierversuche generell, und um jene EU-Direktive, die solche Experimente regelt. Das Papier namens 2010/63/EU war bereits unter widrigen Bedingungen zustande gekommen: Erste Entwürfe sahen eine stärkere Beschränkung von Tierversuchen vor, tatsächlich mit dem langfristigen Ziel, die Tiere verbrauchende Forschung weitgehend zu beenden. Auf Affenexperimente sollte ganz verzichtet werden. Geblieben ist nach vehementem Einspruch von Forschung und Industrie ein Verbot der ohnehin kaum mehr vermittelbaren Versuche an Menschenaffen - also an Schimpansen, Gorillas oder Bonobos.

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