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Dinosaurier:Von den Ahnen der Dinosaurier

Der Wettstreit um die ökologischen Nischen: Thecodontier und Therapsiden.

Als die ersten Säugetiere im Evolutions-Rennen um die Lebensräume des Mesozoikums hinter den Sauriern zurückbleiben, passierte dies bereits das zweite Mal in der Entwicklungslinie der Säuger und Echsen.

Gorgonopsiden im Kampf: Diese bis zu drei Meter langen Therapsiden (säuger-ähnliche Reptilien) waren vermutlich die größten Jäger des späten Erdaltertums.

Schon etwa zwanzig Millionen Jahre vor dem ersten Auftritt der Säugetiere gaben ihre Vorfahren, die Therapsida (säugerähnliche Reptilien) immer mehr ökologische Nischen an die Ahnen der Dinosaurier, die Thecodontia, ab.

Erfolg mit Rückensegel

Dabei hatten die Therapsiden so erfolgreich begonnen. Im Mittleren Perm, vor vielleicht 270 Millionen Jahren, hatten sie sich aus den Pelycosauriern wie dem Dimetrodon mit seinem berühmten Rückensegel entwickelt und mit großem Erfolg über den südlichen Teil des Superkontinents Pangäa, das Gondwanaland, ausgebreitet.

Als Fleisch-, Pflanzen- und Insektenfresser besetzten sie eine große Vielzahl verschiedener Lebensräume. Bereits im Oberen Perm, vor über 250 Millionen Jahren, hatten sich Echsen ähnelnde Formen wie Titanosuchus entwickelt, über zwei Meter lang, mit noch seitlich abstehenden Gliedmaßen. Es fanden sich aber auch Räuber wie Lycaenops, die mit ihren langen, unter dem Körper befindlichen Beinen an Hunde erinnern. Und es traten große Pflanzenfresser wie Moschops auf, ein fünf Meter langer, tonnenfärmiger Koloss.

Vom Boden abgehoben

Ihr großer Erfolg beruhte vermutlich zum großen Teil auf jenen Eigenschaften, die die Therapsiden von den Pelycosauriern geerbt hatten. Viele von diesen besaßen bereits Gliedmaßen, die den Körper stärker vom Boden abhoben, statt ihn nach vorn zu schieben. Darüber hinaus zeigten sie einen weit entwickelten Kauapparat.

Bis zur Mittleren Trias dominierten die Therapsiden, von denen eine Reihe auch das Massensterben beim Übergang vom Perm zur Trias vor 250 Millionen Jahren überlebte, das Land. Im Zusammenhang mit diesem so genannten PT-Event verschwanden innerhalb von nur einer Millionen Jahren etwa 85 Prozent aller Tierarten im Meer und 70 Prozent der Landbewohner. Unter den Opfern des Massensterbens waren auch die Pelycosaurier, die noch im Unteren Perm immerhin 70 Prozent der an Land lebenden Tiere ausgemacht hatten.

Die Thecodontier treten auf den Plan

Doch auch eine Reihe von Thecodontiern überstanden das Massensterben. Wie die Therapsiden waren sie im Oberen Perm erstmals aufgetreten, als eine Ordnung der so genannten Archosaurier, aus der sich auch die Flugsaurier (Pterosaurier), Eidechsen, Schlangen und Krokodile entwickelt haben. Es waren Fleisch fressende Vierbeiner, deren Ellbogen noch relativ stark vom Körper abstanden. Im Vergleich zu anderen Reptilien war auch ihr Körper schon relativ stark vom Boden abgehoben.

Bis zur Mittleren Trias traten die Thecodontier immer stärker in Konkurrenz zu den Therapsiden. Aus ursprünglich stark an Krokodile erinnernden Typen wie dem zwei Meter langen Proterosuchus und dem doppelt so langen Erythrosuchus entwickelte sich in der Unteren Trias beispielsweise Euparkeria. Dessen Hinterbeine waren bereits um ein Drittel länger als die Vorderbeine, was darauf deutet, dass das gerade sechzig Zentimeter lange Tier sich auch auf zwei Beinen vorwärts bewegen konnte, wobei der lange Schwanz half, die Balance zu halten.

Die eigentliche Stunde der Thecodontier schlug schließlich in der Mittleren Trias. Bis zu diesem Zeitpunkt waren fast alle größeren Therapsiden-Arten verschwunden, während die Vertreter der Archosaurier sich als Fleisch- und auch als Pflanzenfresser durchsetzen konnten.

Säugetiere im Schatten der Saurier

Eine Reihe kleinerer Typen wie etwa die Cynodontia überlebten zwar noch bis in den Mittleren Jura vor etwa 170 Millionen Jahren. Danach finden sich keine Hinweise auf Therapsiden mehr. Bevor die Cynodontia jedoch gänzlich verschwanden, hatten sich aus ihnen während der Oberen Trias die ersten Säugetiere entwickelt, die im Schatten der Saurier lebten, bis schließlich vor 65 Millionen Jahren die Ära der Reptilien zu Ende ging.