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Deutscher Zukunftspreis:Im Dickicht der Lupinen

Gewinner des Deutschen Zukunftspreises 2014

Sie sehen aus wie hübsches Unkraut, aber die weiß blühenden Lupinen sind eine wichtige, unterschätzte Feldfrucht.

(Foto: A. Pudenz/Deutscher Zukunftspreis)

Fraunhofer-Forscher haben in diesem Jahr den Deutschen Zukunftspreis für ein Verfahren erhalten, das Eiweiß aus Lupinen gewinnt. Nun gibt es Protest: Ähnliches sei schon vor 20 Jahren gelungen.

Am Ende haben die Blüten gewonnen - die Blüten der Blauen Lupine. Aus dem Samen dieser im Mittelmeerraum verbreiteten, krautigen Pflanze lässt sich ein Eiweiß gewinnen, das Milchprodukte und Fleisch ersetzen kann.

Was für ein Symbol: Den Deutschen Zukunftspreis, den mit 250 000 Euro dotierten "Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation", gewinnen in diesem Jahr Öko-Lebensmittel - und nicht hochtechnologische Entwicklungen der Pharma-, Metall- oder Elektronikindustrie. Ein Team des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) sowie der Firma Prolupin konnte sich Mitte November über die Auszeichnung freuen. Die Forscher hatten ein Verfahren entwickelt, mit dem sich ein hochwertiges, neutral schmeckendes Protein aus der Blauen Lupine gewinnen lässt.

Den Preis an Lebensmitteltechniker zu vergeben, bedeutet allerdings auch, dass die prämierten Entwicklungen eine lange Vorgeschichte haben. Während niemand Stahl am eigenen Herd kocht und niemand Prüfroboter für Pharma-Wirkstoffe im Gartenschuppen baut, braucht es für die Verarbeitung von Lupinensamen weniger monströse Apparaturen. In der Szene der Biofreunde und Vegetarier haben sich schon viele mit der Pflanze beschäftigt.

Glückliches Missgeschick

Darum ist dies ist nicht die Geschichte einer singulären Entdeckung, sondern die Geschichte von mindestens zwei Erfinderteams, die im Abstand von 20 Jahren das Gleiche wollten: Lebensmittel tierischer Herkunft wie Milch oder Eier durch Proteine aus Lupinen zu ersetzen. In beiden Fällen war das Ziel, dass die ökologischen Vorteile des Anbaus sich nicht geschmacklich auswirken. Eines der Teams war zu früh dran, um eine strahlende Zukunft zu erleben, das andere wurde nun mit dem Zukunftspreis ausgezeichnet.

Lupinen werden oft unterschätzt. Wie bei Bohnen, Linsen, Erbsen und Erdnüssen sind die Samen von Lupinen sehr eiweißreich. Außerdem treiben sie ihre Wurzeln tief in die Erde, lockern diese auf und reichern sie mit düngendem Stickstoff an. Den können die Gewächse dank ihrer Symbiose mit spezialisierten Bakterien in den Wurzelknollen aus der Luft entnehmen - ein Kunststück, das nur wenigen Pflanzen gelingt. Auch für den Bauern, der die Lupinen gar nicht ernten möchte, ist ihr Anbau also ein Gewinn.

Unter Veganern sind die Lupinen längst als Lebensmittel bekannt. Ein Unternehmen im Schwarzwald bietet zum Beispiel eine fermentierte Paste nach Art des japanischen Miso an. In der Schweiz und in Frankreich gibt es Lupinen-Proteinmehl zu kaufen. Hierzulande sind Brotaufstriche aus Lupinen sowie "Schnitzel" und "Cocktail-Würstchen" für jene Esser auf dem Markt, die auf Fleisch, aber nicht auf dessen Anmutung und Konsistenz verzichten wollen.