Der Fall Bankhofer:Stutenmilch und anderer Käse

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Leser und Zuschauer können sich vielleicht noch als Opfer betrachten, obwohl auch hier nachdenklich macht, dass eine Organisation wie die "HFI e. V. Gesundheits-Initiative" Bankhofer ohne Bedenken zum "Medizinguru 2008" gewählt hat. Für Journalisten, für ganze Redaktionen fällt die Entschuldigung weniger leicht. Wie Redaktionen, die "Wissens"-Seiten und -Sendungen produzieren, jahrelang auf jede journalistische Überprüfung verzichtet haben, ist tatsächlich beeindruckend.

Der Fall Bankhofer: Gerd Antes leitet das Deutsche Cochrane-Zentrum in Freiburg.

Gerd Antes leitet das Deutsche Cochrane-Zentrum in Freiburg.

(Foto: Foto: oh)

"Man glaubt ihm einfach"

Ein einsamer Mahner in einem Blog schreibt: "Wieso hat sich eigentlich keiner die Mühe gemacht, den Gehalt der Aussagen Bankhofers einmal genauer anzuschauen?" Ein anderer Blogger dürfte den Kern treffen: "Er ist so sympathisch, man glaubt ihm einfach."

Was soll man zum Beispiel von der Frankfurter Rundschau halten, die am vergangenen Samstag auf ihren Wissensseiten feststellte, von der ganzen Affäre nicht betroffen zu sein - schließlich überprüfe sie "ohnehin medizinische Beiträge routinemäßig auf ihre Korrektheit".

Bankhofer hatte dort eine feste Kolumne, alle zwei Wochen. Überzeugender kann man nicht darlegen, dass genau diese Qualitätsüberprüfung nie stattgefunden hat.

Die einzige Erklärung ist, dass man sich in guter Gesellschaft befand, im ORF trat der Mann auf, beim SWR, bei HR3 und früher auch bei Klassik Radio.

Entlarvend war die Reaktion des ORF: Es gebe "keinen Anhaltspunkt, dass es im Programm des Österreichischen Rundfunks zu Auffälligkeiten gekommen" sei.

Falsche Information des Publikums ist offensichtlich keine Auffälligkeit. Interessant wäre auch, von der Universität Wien den Grund für die Auszeichnung mit dem Berufstitel Professor zu erfahren. Dafür ist eine 15-jährige Unterrichtstätigkeit in Wissenschaft oder Kunst Voraussetzung.

Die ARD hat das Privileg nicht genutzt, anders als andere Medien dezidiert auf die Defizite in der Bankhoferschen Plauderei hingewiesen worden zu sein.

Bereits 2004 haben wir vom Deutschen Cochrane-Zentrum in einer Mail massive Zweifel an der Seriosität seiner Empfehlungen geäußert , 2006 wiederholten wir sie in einem ausführlichen Brief. Außer zu beschwichtigenden Telefonaten führte dies zu nichts.

Die jetzige Überraschung seitens des Senderverbunds ist daher wohl eher gespielt. Es bleibt der Verdacht, dass Schleichwerbung als Vorwand genutzt wurde, um davon abzulenken, wie die ARD über viele Jahre jemanden ohne Medizinstudium, ohne medizinische Berufspraxis und mit einer seltsamen Professur einem Millionenpublikum zumutet - einem Publikum allerdings, dessen Expertengläubigkeit, dessen mangelnde Kritikfähigkeit den Auftritten des Mannes erst den Boden bereitet hat.

Gerd Antes löste vergangene Woche die Trennung der ARD von Hademar Bankhofer aus. Er leitet das Deutsche Cochrane-Zentrum in Freiburg, das die Qualität neuer Medikamente prüft.

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