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Das erste Tier:Am Anfang war die Qualle

Forscher der Universität Hawaii stoßen das etablierte Lehrbuchwissen um: Nicht Schwämme waren die ersten Tiere, sondern Quallen.

Das erste Tier, das vor vielen hundert Millionen Jahren im Ozean entstand, war kein Schwamm, sondern eine Rippenqualle.

Die ersten Tiere waren Quallen.

(Foto: Foto: dpa)

Mit diesem Ergebnis einer Stammbaumanalyse stößt eine Forschergruppe um Casey Dunn von der Universität Hawaii das etablierte Lehrbuchwissen um (Nature, Bd.452, S.745, 2008).

Bisher hatten Evolutionsbiologen Schwämme für die ersten mehrzelligen Tiere gehalten. Sie bilden in der Embryonalentwicklung eine Lage von Zellen, während Quallen zwei Lagen besitzen.

Außerdem besitzen Rippenquallen Nerven, einen Magen und Muskelvorläufer, die Schwämmen fehlen.

Die Forscher haben ihr Ergebnis daher zunächst für einen Fehler gehalten. Aber jede Analyse bestätigte, dass sich die Rippenquallen als erste von der Entwicklungslinie abgespalten haben, dann die Schwämme und dann die Nesseltiere, zu denen reguläre Quallen mit Gifttentakeln zählen.

Die Wissenschaftler haben 150 Gene von 77 Gruppen von Lebewesen - von der Bierhefe bis zum Menschen - verglichen und aus den Abweichungen einen Stammbaum erstellt. Für die Unterschiede von Schwamm und Rippenqualle könnten zwei Mechanismen in Frage kommen, vermutet Dunns Team.

Entweder sind Rippenquallen vollkommen unabhängig von allen anderen Tieren zu ihren komplexen Organen gekommen. Oder die Schwämme haben sich von komplexeren Vorfahren zurückentwickelt.

"Wenn das mit den Quallen und Schwämmen stimmt, hat es sehr weitreichende Folgen", sagt Ralf Sommer, Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Tübingen.

"Es fehlt aber noch der Vergleich mit einer sehr einfachen Art, von der es kein Genmaterial gibt."

Auch Dunn und seine Kollegen schreiben, das Ergebnis solle als vorläufig gelten, bis weitere Daten analysiert sind. Bei anderen Tiergruppen, so Sommer, enthalte die neue Arbeit aber bereits sehr klare und interessante Aussagen.