Chinesischer Flussdelfin Vergebliche Suche nach dem Letzten seiner Art

Sechs Wochen suchten Umweltschützer im chinesischen Jangtse - doch sie konnten kein einziges Exemplar der Art Lipotes vexillifer mehr finden. Offenbar ist der chinesische Flussdelfin ausgestorben.

Kultautor Douglas Adams war ihnen noch begegnet, wie er in seinem Buch "Die Letzten ihrer Art" erzählte. Heute würde er vergeblich nach den Flussdelfinen im chinesischen Jangtse suchen.

Vor einigen Jahren konnte man hin und wieder noch einen Flussdelfin finden.

(Foto: Foto: dpa)

Der chinesische Flussdelfin Baiji ist nach Überzeugung eines internationalen Forscherteams "mit aller Wahrscheinlichkeit" ausgestorben.

Das sagte der Chef der Umweltorganisation baiji.org, August Pfluger, in der zentralchinesischen Stadt Wuhan.

Eine Expedition seiner Gruppe habe während einer sechswöchigen Suche in Chinas längstem Strom Jangtse keinen Delfin gesichtet. Die Art Lipotes vexillifer zählt seit jeher zu den seltensten Säugetieren.

"Wir haben das Rennen verloren"

"Wir haben das Rennen verloren", sagte der Schweizer Pfluger, der sich seit Jahren ehrenamtlich für den Delfin einsetzt. Er schloss nicht aus, einzelne Tiere übersehen zu haben.

Zur Rettung der Population seien aber 20 bis 25 Tiere nötig. Pfluger berichtete, dass ein Fischer zuletzt im vergangenen Jahr einen Baiji beobachtet haben wollte. Die letzte belegte Sichtung stamme aus dem September 2004.

"Die Sorge wächst, dass die Art ausgestorben ist", sagte der Artenschutz- und Walexperte der Umweltstiftung WWF, Volker Homes, in Frankfurt am Main. Der WWF (World Wide Fund for Nature) hoffe allerdings weiterhin, dass es noch Tiere gebe.

"Es ist aber sehr enttäuschend, dass jetzt nichts gefunden worden ist", ergänzte Homes. Der WWF habe in den Jahren 1996/97 noch von 13 Exemplaren gewusst.

Die 30 Forscher aus 6 Ländern beendeten ihre Suche nach rund 3500 Kilometern am Mittwoch in Wuhan, wo die Expedition vor 39 Tagen auch begonnen hatte.

Von zwei Schiffen aus hatten die Experten unter anderem aus China, den USA und Japan das Wasser mit Ferngläsern und Unterwassermikrofonen abgesucht.

Sorgen machen sich die Experten um eine ebenfalls nur im Jangtse lebende Unterspezies von Glattschweinswalen.

Die Forscher hätten weniger als 400 Exemplare gezählt. "Die Situation der Glattschweinswale ist genau so wie die der Baijis vor 20 Jahren", sagte der stellvertretende Leiter des Hydrobiologischen Instituts in Wuhan, Wang Ding.

Bedrohte Delfine auch im Ganges und Amazonas

Ähnliche Flussdelfinarten wie den Baiji gibt es unter anderem im Ganges und im Amazonas. Die Tiere gelten vielfach als bedroht. Immer wieder sterben sie durch Verschmutzung, Überfischung, illegale Fischmethoden oder Verletzungen von Schiffschrauben.

Außerdem zerstören Dämme ihren Lebensraum. Zudem sind Flussdelfine so stark an ihren Lebensraum angepasst, dass sie nicht einfach abwandern können.

Wann eine Art als ausgestorben gilt, legen Experten der Weltnaturschutzunion IUCN fest. Gemäß ihrer Definition ist das der Fall, wenn es "keinen vernünftigen Grund gibt daran zu zweifeln, dass das letzte Tier gestorben ist". Dies ließe sich nur mit umfassenden Suchen zu verschiedenen Zeiten ermitteln.