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Bienensterben:Tod im Maisfeld

Nach dieser Erkenntnis empfahl das BVL noch Mitte der Woche den Imkern als Sofortmaßnahme, ihre Bienenstöcke aus der Nähe von Maisfeldern zu entfernen, wenn klar ist, dass dort clothianidinbehandelter Mais ausgesät wurde oder noch wird.

Gleichzeitig sollten die Landwirte vorzugsweise Geräte einsetzen, deren Abluft in den Boden abgeführt wird. Bei anderen Maschinen sollte "ein Abluftschlauch so angebracht werden, dass der Luftstrom bodennah austritt".

Früher als das BVL hatte Bayer Cropscience bereits am Freitag der vergangenen Woche eben diese Empfehlung als "dringend" für die "noch verbleibende Maisaussaat" in einem Fax an die Landwirte verschickt. So solle verhindert werden, dass Abrieb des Beizmittels auf Nachbarpflanzen gelange.

Bauern in violetter Wolke

Das war genau eine Woche bevor das Bundesamt "aus Vorsorgegründen bis auf weiteres" am gestrigen Freitag die Saatgutschutzmittel gestoppt hat.

Chemiekonzerne dürfen das Mittel ab sofort nicht mehr verkaufen, und Saatgutunternehmen dürfen keine Maissamen mehr damit behandeln, gab das BVL bekannt. Lediglich die behandelten Maissamen, die sich bereits bei den Bauern befinden, dürften noch gesät werden.

Imker Hülsmann berichtet von Landwirten, die in eine violette Wolke gehüllt, den Mais aufs Feld gebracht hatten. "Da ist niemand gewarnt worden." Für Menschen und die meisten Tiere ist der Wirkstoff, soweit bekannt, ungiftig. Doch Bienen reagieren besonders empfindlich auf den Stoff. "Kurz vor Pfingsten ging die Maissaat los", berichtet Hülsmann. Und damit begann das Bienensterben. "Da konnten Sie die Uhr nach stellen."

Zusammen mit den Landwirten hat er die Theorie entwickelt, dass die Staubwolken mit der hohen Dosierung des "Poncho"-Präparats zusammen hängen könnten. Es sei in diesem Jahr erstmals auf die Felder gebracht worden.

Beim Einsatz geringerer Mengen wurden in der Vergangenheit Gift-Wolken über dem Trecker und keine sterbenden Bienen beobachtet. Die Begründung des Clothianidin-Verbots bestätigt diese Vermutung. Darin heißt es, dass die Prüfung ergeben hätte, dass "bei der Ausbringung von mit Insektiziden behandeltem Saatgut mit pneumatischen Sämaschinen eine höhere Exposition von Bienen verursacht wird, als im Zulassungsverfahren bislang bekannt".

Ob die Begutachtung für hochdosierte Produkte zu oberflächlich ausfiel oder der Herstellungsprozess inzwischen verändert wurde und das Beizmittel bei der aktuellen Lieferung weniger fest auf den Körnern haftete, muss noch untersucht werden. Erst danach entscheidet sich, wer für den Schaden der Imker aufkommen wird.

© SZ vom 17.05.2008/mcs
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