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Ausbreitung der Schweinegrippe:"Das Virus ist eben in der Welt"

Die Zahl der Schweinegrippe-Erkrankungen in Deutschland hat sich auf neun erhöht. Forscher sehen eine gewisse Stabilisierung der Lage - Entwarnung wollen sie noch nicht geben.

In Deutschland gibt es einen weiteren Fall von Schweinegrippe: Das Robert-Koch-Institut bestätigte erstmals die Erkrankung eines Patienten aus dem Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt.

Auch das Krankenhauspersonal schätzt sich gegen den Schweinegrippe-Erreger, wie hier in Frankfurt am Main.

(Foto: Foto: dpa)

Es handele sich bei dem 38-jährigen Mann aus dem Harzkreis in Sachsen-Anhalt ebenfalls um einen Mexiko-Rückkehrer, sagte RKI-Präsident Jörg Hacker am Mittag. Der Verlauf der Krankheit sei jedoch so leicht, dass der Patient gar nicht erst ins Krankenhaus müsse, sondern zu Hause isoliert werde. Darüber hinaus werden zurzeit sechs weitere Verdachtsfälle geprüft.

Hacker sieht für Deutschland "eine gewisse Stabilisierung der Lage", aber noch keinen Grund zur Entwarnung. "Die Zahl der Verdachtsfälle geht nach unten", sagte er. Dennoch sei auch in den kommenden Tagen mit einzelnen Grippe-Erkrankten zu rechnen. "Das Virus ist eben in der Welt", erklärte Hacker.

Die Grippeviren seien leicht übertragbar und veränderten ständig ihr Erbgut. Daher habe die Schweinegrippe auch weiter Potential, sich auszubreiten. Bei der Erforschung des Virus komme man in Deutschlands Laboren aber gut voran, eventuell könne bereits im Sommer ein Impfstoff zur Verfügung stehen.

Im Zusammenhang mit dem Verdacht hatte das Gesundheitsamt des Landkreises Kontaktpersonen ermittelt. Es konnte geklärt werden, dass bei diesen Menschen laut Gesundheitsministerium keine Grippe-Symptome festgestellt wurden. Eine Frühbehandlung sei eingeleitet worden, um eine Verbreitung zu verhindern.

Neben Sachsen-Anhalt waren zuvor auch aus Bayern, Hamburg und Brandenburg Schweinegrippe-Fälle gemeldet worden. Das RKI rechnet noch mit weiteren Erkrankungen.

Weltweit ist die Zahl der Schweinegrippe-Fälle bis Dienstagmorgen auf 1169 gestiegen. Wie das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung (ECDC) in Stockholm mitteilte, entfielen 107 Erkrankungen auf europäische Länder.

Betroffen sind nach den ECDC-Angaben insgesamt 21 Länder, davon elf in Europa. Mexiko als mit Abstand am stärksten betroffenes Land meldete von Montag bis Dienstag 137 neue Fälle. In dem mittelamerikanischen Land sind bisher 26 Menschen an den Folgen der Schweinegrippe gestorben.

Normalisierung in Mexiko

Das Durchschnittsalter bei den weltweit Erkrankten betrage 16 Jahre, hieß es weiter aus Stockholm. 35 Kranke würden im Krankenhaus behandelt. Alle Krankheitsverläufe in Europa sind bisher als milde eingestuft worden.

Mexiko sieht derweil den Höhepunkt der Schweinegrippe-Epidemie im eigenen Land überschritten und will deshalb von Mittwoch an wieder das öffentliche Leben normalisieren.

Die Schulen sollen schrittweise wieder geöffnet werden. Wie Präsident Felipe Calderón am Montag mitteilte, sollen von diesem Donnerstag an zunächst die Oberstufenklassen und die Universitäten den Betrieb wieder aufnehmen. Die Grundschulen und Mittelstufen sowie die Kindergärten sollen am kommenden Montag wieder geöffnet werden.

Calderón forderte die Eltern von Schulkindern auf, vor der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs gemeinsam mit den Lehrern die Klassenräume zu desinfizieren. Die Regierung stelle dafür umgerechnet 11,3 Millionen Euro bereit.

Der hygienische Zustand der Schulen müsse unbedingt garantiert werden, betonte GesundheitsministerJosé Cordova. Allerdings haben etwa zwölf Prozent der fast 250.000 mexikanischen Schulen kein fließendes Wasser oder Toiletten mit Wasserspülung.

Laut Cordova könnten auch Fußballstadien und Konzerthallen wieder für Zuschauer geöffnet werden. Die Veranstalter müssten aber für einen Abstand von zwei Metern zwischen den Fans sorgen.

Veranstaltungen zum Nationalfeiertag Cinco de Mayo an diesem Dienstag bleiben aber abgesagt.

Der Flugverkehr von und nach Mexiko bleibt vorerst stark eingeschränkt. Eine mexikanische Maschine landete jedoch in Schanghai, um Mexikaner abzuholen, die in China unter Quarantäne gestellt worden waren. Ebenso schickten China und auch Argentinien Flugzeuge nach Mexiko, um gestrandete Landsleute nach Hause zu bringen.

Schweinegrippe in Mexiko

Das Leben steht still