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Archäologie:Wo die Baumeister von Stonehenge wohnten

Archäologen haben unweit des berühmten Steinzeit-Monuments die Reste eines rund 4600 Jahre alten Dorfes entdeckt.

Britische Archäologen haben unweit des weltbekannten Steinkreises von Stonehenge Reste eines rund 4600 Jahre alten Dorfes entdeckt.

Eine Luftaufnahme von der Ausgrabungsstätte bei Durrington Walls.

(Foto: Foto: AP/National Geographic)

Sie vermuten, dass die Siedlung zeitweilig mehrere Hunderte Einwohner hatte und auch von den Baumeistern der mysteriösen Steinmonumente genutzt wurde, berichteten britische Medien.

Es handele sich dabei um die größte bislang in Großbritannien entdeckte Wohnsiedlung aus der Jungsteinzeit.

Auf dem Gelände des Unesco-Weltkulturerbes hätten einst mehrere hundert Menschen zu eben jener Zeit gewohnt, als Stonehenge errichtet wurde, heißt es in einer in Washington veröffentlichten Studie britischer und US-Forscher.

Die Reste des größten neolithischen Dorfes, das jemals in Großbritannien gefunden wurde, liegen in der Nähe von Durrington Walls, rund drei Kilometer von Stonehenge und etwa 13 Kilometer nordwestlich der Stadt Salisbury entfernt.

Der Radiokarbonanalyse zufolge sei die Ansiedlung etwa 2600 bis 2500 Jahre vor Christus errichtet worden.

Die Entdeckung stützt die Theorie, dass Stonehenge nicht isoliert errichtet wurde, sondern Teil eines großen religiösen Komplexes war, der unter anderem für Beerdigungsrituale benutzt wurde.

Bisher ist jedoch erst ein kleiner Teil von Durrington Walls untersucht worden. Bei der Anlage selbst handelt es sich um ein sogenanntes Henge-Monument, das aus einem ovalen Erdwall mit Graben besteht

Das jetzt entdeckte Dorf könne unter anderem als Kultort gedient haben, sagte der Archäologe Mike Parker Pearson von der Universität Sheffield dem Sender BBC.

Zu vermuten sei auch, dass dort ein Zwischenlager für Tote existierte, die für den Transport in ein jenseitiges Leben über den Fluss Avon vorbereitet wurden.

"Wir haben auf den Fundamenten der einstigen Hütten die Umrisse von Bettgestellen, Schränken und Kommoden freigelegt", berichtete Pearson weiter.

Die Forscher gehen davon aus, dass das Dorf nicht ganzjährig, sondern nur zeitweilig genutzt wurde. "Die Menschen haben hier saisonbedingte Feste gefeiert und auch Beerdigungszeremonien abgehalten", sagte Pearson. "In gewisser Weise war es wohl auch der erste Ort für freie Festivals."

Insgesamt könne das Dorf rund 100 Häuser gehabt haben, die sich über das Tal verteilten. Sie seien aus Holz gewesen und daher verrottet. Die Grundstruktur sei aber jener des jungsteinzeitlichen Dorfes Skara Brae auf den Orkney-Inseln vor Schottland ähnlich, hieß es.

Die Hütten in der Siedlung bei Stonehenge seien etwa fünf mal fünf Meter groß gewesen. An der Fundstelle wurden auch große Mengen Feuersteine, Reste von Töpferwaren und Tierknochen entdeckt.

Die Überreste wurden bereits im September vergangenen Jahres im Rahmen des Stonehenge Riverside Projekts von Pearson und fünf anderen Archäologen entdeckt. Jetzt veröffentlichten die Wissenschaftler ihre Erkenntnisse.

Die Forscher wurden teilweise von der National Geographic Society mit Geldern aus den USA und Großbritannien finanziert. Stonehenge gehört mit jährlich mehr als 800.000 Besuchern aus aller Welt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Großbritannien. 1986 erklärte die Unesco die Stätte zum Weltkulturerbe.

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