Archäologie Skythe starb an Knochenkrankheit

Bei den Untersuchungen einer mehr als 2000 Jahre alten Mumie haben deutsche Wissenschaftler bereits einiges herausgefunden - über den Tod, aber auch das Leben des skythischen Reiterkriegers.

Der skythische Reiterkrieger, dessen Mumie vor zwei Jahren in der Mongolei entdeckt wurde, ist nach Angaben von Wissenschaftlern an einer Knochenkrankheit gestorben. Er soll überdies an zahlreichen weiteren Krankheiten gelitten haben.

"Sprechende" Gebeine: Bei der Untersuchung der Mumie des skythischen Reiterkriegers machen die Wissenschaftler immer neue Entdeckungen.

(Foto: Foto: ddp)

Die Untersuchungen an der etwa 2300 Jahre alten Mumie hätten ergeben, dass der skythische Reiterkrieger vermutlich an einem "unklaren knochenfressenden Prozess" gestorben sei, teilte Michael Schultz, Paläopathologe an der Universität Göttingen, mit. Näheres stehe erst zum Abschluss der Untersuchungen Ende des Jahres fest.

Der Mann sei 50 bis 60 Jahre alt geworden, 1,67 Meter groß gewesen und habe der "gehobenen Mittelschicht" angehört, sagte Schultz. Er soll schon Jahre vor seinem Tod keine schwere Arbeit mehr verrichtet haben.

Das Gebiss zeige, dass der Krieger sich vor allem von Fleisch ernährt habe. "Seine Zähne waren nur sehr wenig abgenutzt", erklärte der Paläopathologe. "Das ist typisch für einen Nomaden."

Geplagt von Krankheiten

Anders als zunächst angenommen war der Skythe nicht blond, sondern hatte dunkelbraunes Haar. Das an der Mumie erhaltene Haar sei erst nach dem Tod ausgeblichen, sagte Schultz. Dies hänge eventuell mit der Mumifizierung zusammen. Der Stamm des Kriegers hatte den Verstorbenen offenbar mit Quecksilber übergossen, um seine Leiche vor dem Verfall zu schützen.

Der Oberkörper der Mumie ist nur sehr schlecht erhalten. Die Wissenschaftler konnten daher nur wenige Rippen und Wirbel untersuchen. Die Eingeweide waren gar nicht mehr vorhanden. Es sei möglich, dass diese vor der Bestattung entfernt wurden, erklärte Schultz.

Sowohl an der Wirbelsäule als auch an Hand- und Hüftgelenken habe der Reiterkrieger starke Arthrose gehabt, sagte Schultz. Zudem sei er von einer chronischen Kieferhöhlen- und Stirnhöhlenentzündung geplagt worden. Im Laufe seines Lebens habe sich der Mann außerdem bei einem Sturz den Unterarm gebrochen und sich eine Mittelohrentzündung zugezogen.

Neben dem Reiterkrieger waren in dem Grab auch die Reste zweier Pferde und zahlreiche Gegenstände des Mannes gefunden worden. Diese würden zurzeit im russischen Nowosibirsk restauriert, sagte der Berliner Archäologe Hermann Parzinger. Er hatte die Mumie im Juli 2006 zusammen mit mongolischen und russischen Forschern im Altaigebirge gefunden.

Unter anderem seien ein "prachtvoller Pelzmantel", ein Filzhut und die Waffen des Kriegers ausgegraben worden. Dazu gehöre auch der erste bisher entdeckte Kompositbogen, mit dem man sehr genau schießen könne.

Der Fund der Mumie hatte aufgrund des guten Zustands weltweit für Aufsehen gesorgt. Die Überreste hatten in einer durch Holz von einem darunterliegenden Eisblock getrennten, sehr trockenen Luftkammer des Grabhügels gelegen. Die Mumie sei daher "wie gefriergetrocknet", sagte Parzinger.

Die Überreste waren im Dezember 2006 zur Untersuchung nach Göttingen gebracht worden. Im Juli dieses Jahres werden sie in die mongolische Hauptstadt Ulan-Bator zurücküberführt.

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Die Kriegermumie aus dem Permafrostboden