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AKW Fessenheim:Schließen oder nicht?

Das Atomkraftwerk Fessenheim spaltet Frankreichs Regierung: Wohnungsbauministerin Emmanuelle Cosse will es noch in diesem Jahr abschalten, Energieministerin Royal hält das bislang nicht für nötig.

Das umstrittene französische Atomkraftwerk Fessenheim an der deutschen Grenze wird womöglich doch noch in diesem Jahr abgeschaltet. "Der Präsident der Republik hat sich verpflichtet, Fessenheim bis Ende 2016 zu schließen. Das ist das Datum", sagte Emmanuelle Cosse, Frankreichs Ministerin für Wohnungsbau, am Sonntag in einer Fernsehsendung. Präsident François Hollande habe ihr das mehrmals bestätigt. Auf den Hinweis eines Moderators, wonach sie 2011 erklärt habe, François Hollande sei "nicht für einen Cent glaubwürdig", was Atomkraft betreffe, entgegnete Cosse, der Präsident habe "einen weiten Weg" zurückgelegt.

Das Atomkraftwerk Fessenheim ist Frankreichs ältestes. Es war in der vergangenen Woche erneut in die Kritik geraten, nachdem SZ und WDR über einen Störfall im April 2014 berichtet hatten. Nach einem Wassereinbruch fiel damals eines der beiden Sicherheitssysteme aus, die Steuerstäbe ließen sich nicht mehr korrekt bedienen. Schließlich wurde der Reaktor mit Borsäure geflutet und dadurch heruntergefahren - ein ungewöhnliches Vorgehen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte am Freitag ihre Forderung bekräftigt, Fessenheim vom Netz zu nehmen.

Energieministerin Ségolène Royal will die Laufzeit alter Reaktoren sogar um 10 Jahre verlängern

Zuständig für das Thema ist in Frankreich indes nicht Emmanuelle Cosse, sondern Ségolène Royal, Ministerin für Umwelt und Energie. Royal hatte ihrerseits kurz zuvor ihre Bereitschaft erklärt, die Laufzeit der französischen Atommeiler sogar zu verlängern: von 40 auf 50 Jahre. Fessenheim ist seit 38 Jahren in Betrieb. Allerdings müsse die Laufzeitverlängerung Frankreichs Plan untergeordnet werden, bis 2025 den Anteil der Atomkraft an der Stromproduktion auf 50 Prozent zu senken. Derzeit sind es 75 Prozent.

Darauf berief sich die grüne Ministerin Cosse im Fernsehinterview: Demnach müsse man eben auch Reaktoren schließen, und das Sinnvollste sei, Fessenheim noch in diesem Jahr abzuschalten. Das war tatsächlich lange der Plan der Regierung, bis Hollande und Royal die Schließung im vergangenen Jahr auf "spätestens 2018" vertagten. Allerdings sollte Betreiber EDF 2016 beginnen, die Schließung einzuleiten, um 2018 damit fertig zu sein, hatte Royal gefordert. So viel Aufhebens hält Emmanuelle Cosse nicht für nötig: "Einen Reaktor abzuschalten ist die einfachste Sache", sagte sie. Präsident Hollande und Ségolène Royal kommentierten ihre Aussagen zunächst nicht.