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Adler in Deutschland:Das Wappentier kehrt zurück

So viele Adler wie heute haben in Deutschland seit 100 Jahren nicht mehr gebrütet. Fisch-, Stein- und Schreiadler vermehren sich zusehends. Doch noch immer gibt es Probleme mit dem Nachwuchs.

Der große grauweiße Vogel kommt mit mächtigen Flügelschlägen heran. Über seinen Kopf zieht sich ein markanter schwarzer Streifen wie eine Augenbinde, und hinten hat er einen kurzen weißen Schopf, wie er den Fischadler kennzeichnet.

Ein in Bayern geborener Seeadler

Ein in Bayern geborener Seeadler.

(Foto: Foto: dpa)

Er stürzt sich metertief ins Wasser und kommt nach einigen Sekunden mit einem Fisch in den Krallen wieder heraus. Für dieses atemberaubende Erlebnis muss man nicht nach Alaska oder Feuerland fahren. Es reicht der Dümmersee bei Osnabrück.

Seit drei Jahren brütet dort ein Fischadlerpaar. Vergangenes Jahr zog es in seinem Nest auf einem Strommasten drei Jungvögel auf. Fischadler galten schon fast als ausgerottet - genauso wie die drei anderen Adlerarten in Deutschland. Doch die Adler kehren zurück. So viele wie im Jahr 2006 haben in Deutschland seit mehr als hundert Jahren nicht mehr gebrütet.

Peter Görke, Adlerexperte in Niedersachsen, berichtet, dass es diesem Jahr wohl fünf Adlerpaare in Niedersachen sind, auch am Steinhuder Meer hat im Sommer wieder ein Adlerpaar gebrütet und gleich drei Jungvögel großgezogen. Hinzu kommen drei oder vier Paare in Bayern, eines treibt sich in Rheinland-Pfalz herum, allerdings ohne Eier zu legen.

Ehrenamtliche Horstbewachung brachte den Bruterfolg

Ein wesentlicher Grund für die Rückkehr der Adler ist das Verbot von DDT. Das Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan reicherte sich in der langen Nahrungskette an, an dessen Ende der Adler steht.

DDT ließ die Eierschalen brüchig und die Tiere unfruchtbar werden, und erst seit es Mitte der 1970er-Jahre verboten wurde, können sich die Adlerbestände erholen. 1990 gab es 160 Brutpaare, 1995 bereits 300, und in diesem Jahr rechnet Daniel Schmidt, Fischadler-Experte beim Nabu-Vogelschutzzentrum Mössingen mit etwa 500 Paaren in ganz Deutschland.

Geradezu euphorisch sind Ornithologen beim Seeadler. 1984 gab es in der alten Bundesrepublik gerade noch vier Paare - alle in Schleswig Holstein - in der DDR lebten noch etwa hundert Paare des größten nordeuropäischen Greifvogels, dessen Flügelspannweite 2,50 Meter misst. Heute sind es fast 500 Paare in ganz Deutschland, allein in Schleswig-Holstein über 50, in Niedersachsen 20, auch in Bayern am Altmühlsee brütet der Vogel seit letztem Jahr wieder.

Dänemark wurde von Schleswig-Holstein aus wieder besiedelt und in den Niederlanden hat der Seeadler 2006 zum ersten Mal wieder gebrütet. Zu verdanken ist das, wie beim Fischadler, dem DDT-Verbot aber auch der Horstbewachung. Zu Beginn der Brutzeit, meist Ende Februar oder Anfang März, ist der Adler nämlich sehr empfindlich, was Störungen durch Fußgänger, Forstarbeiten, Neugierige oder Jäger angeht.

Obendrein wurden in den 1980er-Jahren die wenigen Paare zum Opfer von Eierdieben, die im Auftrag von Eiersammlern die Horste ausnahmen. Eine kleine Gemeinschaft von Vogelschützern erreichte, dass die Brutgebiete, meist abgeschiedene Buchenhochwälder, von Frühjahr bis Sommerende gesperrt wurden.

Die Mitglieder fingen 1969 an, die verbliebenen Horste zu bewachen. Tag und Nacht hockten sie in klapprigen Wohnwagen im Wald und passten bei Wind und Wetter auf, dass niemand den Adlern zu nahe kam. Nach und nach erholten sich die Bestände.

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