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20 Jahre Tschernobyl:Lebensraum Sperrzone

In der Vorstellung vieler Menschen ist das Gebiet um den explodierten Atom-Meiler von Tschernobyl eine strahlende Wüste, in der nichts lebt außer verkrüppelten Pflanzen und missgestalteten Tieren. Doch Flora und Fauna machen aus der Todeszone ein Gebiet des blühenden Lebens.

In der Vorstellung vieler Menschen ist die Sperrzone um den Atom-Meiler von Tschernobyl eine 30-Kilometer-Todeszone: Eine strahlende Wüste mit verlassenen Städten und Dörfern, in der nichts lebt außer verkrüppelten Pflanzen und mutierten, missgestalteten Tieren - und einigen Arbeitern, die den Betrieb der noch laufenden Kraftwerk-Meiler überwachen.

Tschernobyl

Hier leben niemand mehr: Die Geisterstadt Pripyat, keine zwei Kilometer entfernt vom Kernkraftwerk Tschernobyl.

(Foto: Foto: AP)

Tatsächlich waren nach dem Gau nicht nur die Arbeiter des Kraftwerkes, die Liquidatoren und weite Teile der Bevölkerung der Ukraine, Weißrusslands, der russischen Förderation hoher Strahlung ausgesetzt. Und was die Menschen umgebracht oder krank gemacht hat, hat auch Teile der Umwelt zerstört.

Ein Wald stirbt

So wurde unmittelbar nach der Katastrophe der Kiefernwald im Umkreis von vier Quadratkilometern um den Reaktor braun und starb ab. Es entstand der tote "Rote Wald". In den Gebieten, in die der Wind besonders viel Strontium und Cäsium hingetragen hatte, gingen viele Tiere - wilde und Haustiere - ein oder wurden unfruchtbar.

Doch heute, zwanzig Jahre, nachdem die Menschen die Gegend verlassen haben - und mit ihnen Herbizide und Pestizide verschwunden sind - finden Biologen um Tschernobyl keine Zone des Todes, sondern eine Zone sprießenden Lebens.

Die Wildtierpopulationen in der Region, in der es seit 1986 keine Industrie und keinen Verkehr mehr gibt und in der Feuchtgebiete nicht mehr trockengelegt werden, wachsen:

Die Wildschwein-Bestände werden nur noch von der zunehmenden Zahl der Wölfe eingeschränkt, man findet wieder Luchse, Elche, Rotwild, Biber, Dachse, Otter - selbst Bärenspuren wurden angeblich entdeckt. Etwa 280 Vogelarten zählen die Biologen, darunter etliche bedrohte Arten. Und auch die Fischbestände florieren.

Keine Symptome strahlenbedingter Krankheiten

Selbst die Przewalski-Wildpferde, die einzige Art, die von Menschen nach dem Gau gezielt in die Zone verbracht wurde, um die Folgen der Radioaktivität zu studieren, zeigen trotz hohen Verseuchungsgrades keine Symptome strahlenbedingter Krankheiten.

Und im Sarkophag, der den Katastrophen-Reaktor umschließt, nisten Vögel. "Stare, Tauben Schwalben - ich habe Nester gesehen und Eier gefunden", berichtete der Ökologe Sergey Gaschak kürzlich der BBC.

Keinen einzigen Hinweis gibt es darauf, dass irgendeine Wildtierpopulation nach dem Gau zurückgegangen wäre, erklärte Michail Bondarkov vom International Radioecology Laboratory bei Tschernobyl dem Independent. Und keine einzige Pflanzenart ist verschwunden, berichtet das russische Institute of Agricultural Radiology and Agroecology in Obninsk.

Auf der anderen Seite haben die Populationen von Ratten, Hausmäusen, Spatzen und Tauben - Tiere, die eng mit dem Menschen zusammenleben - abgenommen.

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