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Zweite Karriere: Wohnungen auf Zeit:Bloß keine Abstellkammer

Ihre zweite Karriere begann mit einem Experiment. Pflocks Ehemann besaß zwei kleine Apartments in Köln, und als dort die Mieter wechselten, richtete sie die Wohnungen so her, wie sie es in ihrer Stuttgarter Zeit gerne vorgefunden hätte, und bot sie möbliert an. Kaum fertig, waren sie schon vermietet. Als Freunde ein kleines Apartmenthaus bauten, konnte sie auch sie davon überzeugen, dass die Vermietung möbliert viel attraktiver sei. Auch diese Wohnungen waren im Nu vermietet.

Pflock schien eine Marktlücke entdeckt zu haben. Sie entwickelte einen Geschäftsplan, gründete eine Firma, schaltete Anzeigen, nahm Kontakt zu den Personalabteilungen von Unternehmen auf, ging ins Internet. Die kleine Firma florierte, hatte Stammkunden und mehrere hundert Wohnungen im Bestand - bis zum Jahr 2001. Nach den Terroranschlägen im September brach die Nachfrage weg, und die Unternehmerin musste feststellen, dass die Konkurrenz an ihr vorbeigezogen war. Ausgerechnet im Marketing hatte Pflock gepatzt: Die Wettbewerber warben im Internet mit Fotos für ihre Wohnungen, sie nicht. Pflock investierte in eine aufwendige 360-Grad-Präsentation und machte ihren Internet-Auftritt dreisprachig. "Richtig lernt man erst aus Fehlern", sagt sie heute: "Man darf sich keine Sekunde ausruhen."

Gewappnet für die Krise

Für die nächste Krise fühlt sie sich nun bestens gewappnet - und ist sicher, dass die auch unmittelbar bevorsteht. Ihre Kunden sind häufig Unternehmensberater oder Projektleiter, und viele arbeiten für die Autoindustrie. "Ich erwarte, dass Projekte zurückgefahren und weniger Geschäftsreisen gemacht werden, und dann werden auch weniger Wohnungen gebraucht."

Ihre Mannschaft hat sie schon auf harte Zeiten vorbereitet und bespricht Modelle für flexible Arbeitszeiten. Jobsicherung ist ihr ein Anliegen, und bisher hat sie auch noch niemanden entlassen müssen. Das soll so bleiben. Dem dient zum Beispiel das gerade gestartete Netzwerk: Zeitwohnen hat sich mit sieben Anbietern aus anderen Städten zusammengeschlossen und bietet nun bundesweit 17000 Objekte in der Datenbank von Zeitwohnwerk.de an.

Und Pflock hat auch schon eine Idee, wie sie der Flaute begegnet: Die Fristen werden angepasst. Heute vermietet sie die Wohnungen für einen bis zwölf Monate, künftig wird das auch unter vier Wochen gehen. Damit tritt Zeitwohnen in Wettbewerb zu den Hotels. Die Unternehmerin schmunzelt, und man sieht ihr an, dass sie sich auf die neue Herausforderung schon richtig freut.