Weltwasserbericht Ungerecht verteilt

Viele Menschen wie diese Frau in Indien haben keinen eigenen Wasserhahn und sind auf öffentliche Versorgung angewiesen.

(Foto: Himanshu Sharma/AFP)

Mehr als zwei Milliarden Menschen haben kein sauberes Trinkwasser. In den nächsten Jahren könnte sich die Situation verschärfen, warnen die Vereinten Nationen.

Von Lara Janssen

Eine kleine blaue Murmel ist die Erde vom Weltall aus gesehen. Mehr als zwei Drittel der Oberfläche sind von Wasser bedeckt, doch nur ein Bruchteil davon ist Trinkwasser, zu dem derzeit 2,1 Milliarden Menschen keinen durchgängigen Zugang haben. Mehr als doppelt so viele leben zudem ohne gesicherte Sanitäranlagen, wie aus dem Weltwasserbericht der Vereinten Nationen hervorgeht, den die UNESCO am gestrigen Dienstag in Genf vorgestellt hat. Es gebe erhebliche Unterscheide zwischen und innerhalb der Länder, hieß es weiter. Vor allem bedürftige und ohnehin diskriminierte Menschengruppen seien betroffen. Ihnen werde damit ein seit 2010 anerkanntes Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung verwehrt.

Es fehlt weltweit an der Infrastruktur, auch in Nordamerika und Europa

Besonders betroffen sind dem Bericht zufolge Frauen, Minderheiten und Menschen mit Beeinträchtigungen, die überdurchschnittlich häufig keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Generell seien neben ärmeren vielfach auch Menschen benachteiligt, die in ländlichen Regionen leben. Schlechter gestellt seien zudem oft die Bewohner von Slums. Ihr Wasser sei häufig schlechter als das in wohlhabenderen Vierteln, und koste zudem oft zehn bis zwanzig Mal so viel wie in wohlhabenderen Vierteln. Auch für geflüchtete und vertriebene Menschen sei die Wasserversorgung oft besorgniserregend, etwa in Kolumbien an der Grenze zu Venezuela fehle es derzeit an ausreichender Infrastruktur.

Fast die Hälfte der Menschen, die Wasser aus ungeschützten Quellen trinkt, lebt den Angaben zufolge in Afrika: Nur 24 Prozent der Menschen südlich der Sahara hätten Zugang zu sicherem Trinkwasser und nur knapp ein Drittel der Haushalte verfüge über eigene sanitäre Anlagen. Grund seien oft auch politisches Missmanagement und fehlende Investitionen in die Infrastruktur. Doch selbst in Europa und Nordamerika hätten 57 Millionen Menschen keine Wasserleitungen in den Häusern. Etwa indigene Völker in Kanada tränken minderwertiges Wasser. In Deutschland hingegen sei Wasser in guter Qualität für fast 100 Prozent der Haushalte zugänglich.

Weltweit werden Wassermangel und Umweltschäden bis 2050 voraussichtlich 40 Prozent der weltweiten Produktion von Getreide bedrohen, so der Bericht.

Sorgen bereitet der Organisation auch der weltweit steigende Wasserverbrauch. Die Zunahme liegt demnach seit den Achtzigerjahren bei etwa einem Prozent pro Jahr. Laut Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission, liegt dies an drei Megatrends: Der Klimawandel mitsamt zunehmenden Dürren, Überschwemmungen und Stürmen, das Bevölkerungswachstum und ein veränderter und gestiegener Konsum. "Wir als Verbraucher in Deutschland sind Mitverursacher der Probleme in anderen Weltregionen, vor allem durch den Import von Baumwolle und Rindfleisch, deren Herstellung teils gewaltige Wasserressourcen benötigt", sagt sie.

Die Autoren des Berichts empfehlen im Kampf gegen Ungleichheiten Mut zu unkonventionellen Lösungen: Wenn die beste Lösung zu teuer ist, müsse jeweils spezifisch vor Ort nach umsetzbaren Mitteln gesucht werden. Damit Entwicklungshilfe in Ländern mit hoher Korruption dennoch effektiv ist, müssten auch nicht staatliche Akteure und die lokale Bevölkerung einbezogen werden, betont Burchardt.