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Warenhäuser:Arcandor verschenkt Neckermann-Anteile

51 Prozent der Anteile gehen ohne Gegenleistung an den amerikanischen Finanzinvestor Sun Capital Partners. Ein späterer Börsengang soll den Handelskonzern entschädigen.

Stefan Weber

Die Hoffnungen des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor, aus dem Verkauf seiner Versandhaus-Tochter Neckermann einen hohen Erlös zu erzielen, haben sich zerschlagen.

Neckermann

Anteile an dem Katalog gehören künftig einem amerikanischen Investor.

(Foto: Foto: dpa)

Der Essener Konzern übergibt 51 Prozent der Anteile an dem Versender an den amerikanischen Finanzinvestor Sun Capital Partners und erhält dafür keine Gegenleistung. Arcandor bleibt wie geplant mit 49 Prozent beteiligt und will diesen Anteil im Rahmen des in drei bis vier Jahren erwarteten Börsengangs von Neckermann veräußern.

"Je nach Geschäftserfolg lässt sich dann ein Erlös zwischen 170 Millionen und deutlich mehr als 300 Millionen Euro erzielen", teilte der frühere Karstadt-Quelle-Konzern am Mittwoch mit. Neckermann erwartet in diesem Jahr einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro und wird nach Einschätzung von Versand-Chef Marc Sommer einen "kleinen zweistelligen Millionenbetrag" erwirtschaften. "Aber in 12 bis 18 Monaten verdient Neckermann Geld", hatte Sommer vor kurzem in einem Interview mit der SZ angekündigt.

Offensichtlich schätzt Sun Capital die Perspektiven des traditionsreichen Versandhändlers weniger euphorisch ein. Dies war offensichtlich auch der Grund, weshalb sich die Verhandlungen mit dem Finanzinvestor in die Länge zogen. Ursprünglich hatte Arcandor den Verkauf bereits im Oktober perfekt machen wollen.

Verzögert hatten sich auch die Gespräche über die Trennung von den Warenhaus-Immobilien. Aber anders als bei Neckermann erzielt Konzernchef Thomas Middelhoff aus diesem Deal den in diesem Fall erhofften Erlös von 800 Millionen Euro. Erwerber ist ein von der Deutsche-Bank-Tochter Preef angeführtes Konsortium, dem auch die Mailänder Pirelli Real Estate sowie die Borletti Group angehören.

Die Vereinbarung umfasst den Verkauf der restlichen Anteile an einer Gesellschaft, in die Arcandor die Warenhaus-Immobilien eingebracht hatte. Die Mehrheit an dieser Firma hatte der Konzern 2006 an die Investmentbank Goldman Sachs verkauft. Karstadt ist künftig Mieter in den Warenhäusern. In der Partnerschaft mit Pirelli sieht Arcandor die Chance, einen europäischen Warenhauskonzern im Premium-Bereich aufzubauen. Karstadt beteiligt sich mit 25 Prozent an den Pirelli gehörenden Warenhausketten La Rinascente (Italien) und Printemps (Frankreich). Das Konsortium übernimmt bis zu 25 Prozent an den Premium-Häusern von Karstadt.

© SZ vom 13.12.2007/woja
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