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Vom Aussterben der Gasthäuser:Pasta statt Schweinebraten

"Die Leute fressen billigen Dreck und wundern sich, dass sie dick und krank werden", sagt Sternekoch Alfons Schuhbeck. Der Geiz hat einen hohen Preis.

"Was dürfen wir Ihnen denn Gutes tun?", fragt Birgit Müller. Der Gast ordert ein Menü: Duo von Thunfisch und Gänseleber mit Wasabi-Sorbet, Froschschenkel im Chorizo-Fumet, bretonischen Hummer, Kalbsrücken, dazu eine Flasche fränkischen Weißburgunder und spanischen Tempranillo-Rotwein, Mineralwasser und Kaffee.

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Was ist günstig, schnell, unkompliziert und dreht sich? Ein Running-Sushi-Restaurant in Berlin.

(Foto: Foto: dpa)

Das alles kostet für zwei Personen zusammen etwa 500 Euro im Restaurant "Dieter Müller" in Bergisch-Gladbach, einem von nur sechs Restaurants in ganz Deutschland, das drei Sterne im Michelin hat. Das ist also die Spitze, etwas für Liebhaber und ganz besondere Anlässe. Das andere Extrem ist der Alltag, und der sieht in Deutschland oft so aus:

Der Mitte geht es nicht gut. Sie wird immer schmaler

Die Wuppertaler Filiale "B7" des Sandwich-Giganten Subway ist recht klein und eher düster, die junge und sehr freundliche Bedienung in dem Lokal fragt : "Was möchten Sie essen?" Zur Auswahl stehen vier verschiedene Baguettesorten mit Sesam, Oregano, Weizen oder mit Honig. In schwarzen Plastiknäpfen liegt der Belag, Scheiben von Aufschnitt und Käse, Geflügelfleisch, Salate und verschiedene Gemüse. Am Ende kostet ein Baguette mit Hühnchen, Frischkäse, Scheibletten, Speck, Salat, Zwiebeln, Pepperoni und Honigsenfsauce 4,59 Euro.

Satt wird man, auf sehr unterschiedliche Weise, bei beiden, dem exklusiven, teuren und dem einfach-billigen. Zwischen Fastfood-Filiale und Spitzenküche liegen unzählige günstige, mittlere und teure gastronomische Betriebe, exakt sind es 189.000 Restaurants, Cafés, Eisdielen und Imbissstuben. Aber dieser Mitte geht es oft nicht gut. Sie wird immer schmaler.

Das liegt vor allem an den Gästen. Der Gast von heute ist ein schwieriger Patient: Er will Vertrautes, keine Experimente, aber trotzdem immer wieder etwas Neues. Es soll nicht teuer sein, am besten billig, trotzdem muss der Teller voll sein. Er will statt Kroketten lieber Tacos, aber wenn er Tacos bekommt, sehnt er sich nach Kroketten.

Der Geiz hat einen hohen Preis

Marktforscher fanden heraus, dass keine andere Nation in Europa so knausrig ist wie die Deutschen, wenn es ums Essen geht. "Die Leute fressen jahrzehntelang billigen Dreck und wundern sich nachher, wenn sie dick und krank werden", sagt der Sternekoch Alfons Schuhbeck.

Der Geiz hat auch noch einen anderen Preis: Seit 1992 ist die Zahl der Lokale in Deutschland um 20.000 zurückgegangen, mehr als sechs Prozent der knapp eine halbe Million Beschäftigten verloren in den vergangenen acht Jahren ihren Job. "Keine Branche in Deutschland reagiert so sensibel auf Konjunkturschwankungen", sagt Stefanie Heckel vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Wenn den Menschen weniger Geld im Portemonnaie bliebe, gingen sie seltener essen.

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